Zum Tode von Peter Green

Der Mitbegründer von Fleetwood Mac starb im Alter von 73 Jahren

Er war einer der bedeutendsten weißen Bluesgitarristen und ein Mensch mit großen psychischen Problemen

Peter Green (Foto Wikipedia)

Er war nicht nur für den Fleetwood Mac-Klassiker „Albatross“ als Gitarrist und Komponist verantwortlich ist, sondern auch für die berühmten Songs „Oh Well“, „Man Of The World“, „Black Magic Woman“ und andere. „Wer ist dieser Mann, was denkt er, was geht in ihm vor, warum macht er diese teils merkwürdigen Dinge?“ – Derlei Fragen wurden immer wieder gestellt seit er vor 55 Jahren zum ersten Mal als Musiker prominent in Erscheinung trat. Viele dieser Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben. In seinem relaxed groovenden, bluesgetränkten Song „Burglar“, aufgenommen für sein Album „Destiny Road“, eingespielt 1999 mit seiner Peter Green Splinter Group, singt er von einem Einbrecher, der sich in den dunklen Schatten des Lebens versteckt, während du schläfst über deine Mauer klettert. Rücksichtslos wie eine hungrige Hyäne kommt der Einbrecher und bestiehlt dich. Der Text lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Diebesgut nicht um Materielles dreht. Der Einbrecher, den Peter Green meint, ist nicht an seinen Wertsachen interessiert. Er bricht in seine Seele ein.

Peter Green, einer der bedeutendsten britischen Bluesgitarristen starb am 25. Juli 2020 im Alter von 73 Jahren. Als Peter Allen Greenbaum wurde er am 29. Oktober 1946 als jüngstes Kind der jüdischen Familie Joe und Ann Greenbaum im englischen Bethnal Green geboren. Bereits im Alter von 11 Jahren war er ein versierter Gitarrist und hatte als 15-jähriger seinen ersten professionellen Auftritt. Nachdem er im November 1965 die Gelegenheit bekam, bei John Mayalls Bluesbreakers für Eric Clapton live einzuspringen, trat er im Juli 1966 offiziell die Nachfolge von Eric Clapton in jener Band an, die als Keimzelle des britischen Blues gilt: John Mayalls Blues Breakers. Eines seiner Vorbilder, die Blues-Legende B.B. King, sagte Ende der sechziger Jahre in London während eines Konzerts in Anwesenheit von Eric Clapton, der in der Ehrenloge saß:
"Es ist die Zeit der großen Gitarristen. Hendrix ist fantastisch. Und Eric, Du bist wirklich großartig. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß ich doch sagen: Peter Green ist der Beste!"
Der solchermaßen geehrte war zweifellos einer der ganz großen weißen Blues-Gitarristen, darüber hinaus ein beeindruckender Sänger und großartiger Mundharmonika-Spieler. Als Gründer von Fleetwood Mac hatte er seine größten Erfolge, die ihn allerdings in eine schwere, wohl auch drogen-bedingte Krise stürzte, worauf er sich völlig aus dem Musikbusiness zurückzog und die Gitarre an den Nagel hängte.
1979 folgte ein erstes gefeiertes Comeback als Solist, vier Jahre später verschwand er wieder von der Bildfläche. 1996 dann der nächste Start mit seiner vielgelobten neuen Band Splinter Group. Diese musikalisch aktive Phase dauerte immerhin 8 Jahre und war recht produktiv, was Tourneen und Veröffentlichungen von neuen Alben anging. Dann aber, erfolgte 2004 der nächste abrupte Rückzug, der seine neuen musikalischen Weggefährten ähnlich schockierte oder ratlos zurückließ, wie früher schon seine Fleetwood Mac-Bandmitglieder und die Begleitmusiker seiner kurzen Solo-Karriere. Was war los mit diesem Mann? Gibt der folgende Song „A Big Change Is Gonna Come“ Aufschluss?

“A Big Change is Gonna Come”, sang Peter Green in diesem Song aus dem Album von 1999 “Destiny Road” seiner Splinter Group. Große Veränderungen, oft nicht nachvollziehbare Wechsel und Brüche, durchzogen die letzten 50 Jahre seines Lebens, das ihn nicht nur als Musiker gesehen hat, sondern auch als Gärtner, als Totengräber und Krankenpfleger – und öfter auch selbst als psychisch Kranken, der in psychiatrischen Kliniken behandelt wurde oder als Pflegefall bei Mutter und Bruder untergekommen war. Was war los mit Peter Green? Im Alter von 19 Jahren sorgte er zum ersten Mal für Furore als Gitarrist in John Mayall’s Gruppe Blues Breakers, wo er nach dem Weggang von Eric Clapton dessen Rolle als Solo-Gitarrist einnahm, was ihm nach anfänglichen Selbstzweifeln auch mit Bravour gelang. Dann folgte der erste Wechsel. Mit dem Drummer Mick Fleetwood und dem Bassisten John McVie gründete er 1967 eine neue Band, deren Name herausstellte, wer hier der Chef war. Peter Green’s Fleetwood Mac war anfänglich ganz und gar seine Band, er war der Sänger, Leadgitarrist und Hauptsongschreiber. Mick Fleetwood nannte ihn nur den Boss. Bald nannte sich die Band nur noch Fleetwood Mac, doch die musikalische Gewichtung innerhalb der Band blieb die gleiche. Der wachsende Ruhm der Band setzte Peter Green unter psychischen Druck, er war der Frontman, der Kreative, von ihm erwartete man neue Hits. Diesem Druck war er immer weniger gewachsen, die Fluchtreaktion in ungezügelten Drogenkonsum tat ein Übriges. Der nächste Wechsel, diesmal ein radikaler stand an.

Peter Green bei Fleetwood Mac (Foto: wikipedia)

1971 stieg er aus, wollte mit dem Kommerz-Musik-Business, das ihn anödete, nichts mehr zu tun haben. Seine Mitmusiker bei Fleetwood Mac waren entsetzt, sie konnten sich seinen plötzlichen Ausstieg und seine ebenso plötzliche Hinwendung zu religiösem Sektierertum nur durch eine exzessive Drogenparty in München erklären. Dort sei er versackt und man habe ihn abholen müssen, um ihn aus den Klauen dieser Leute zu befreien. Von einer Gehirnwäsche war die Rede, von einer suggestiven Beeinflussung durch religiöse Fanatiker und Drogenapostel. Jedenfalls sei Peter Green nach diesem Drogenexzess ein anderer gewesen, sagten seine Mitmusiker von Fleetwood Mac. Rainer Langhans schrieb in seiner Autobiografie, dass er und Uschi Obermaier Peter Green in München getroffen und ihn eingeladen hätten, an einer Session mit Musik und LSD teilzunehmen. Ob es nur diese Musik- und Drogen-Party mit dem einen LSD-Trip zuviel gewesen ist, die Peter Greens Leben total veränderte, sei dahingestellt. Tatsächlich war unverkennbar, dass Peter Green zunehmend seltsam wurde in seinem Verhalten und Denken. Er verschenkte seine einstmals geliebte Les Paul-Gitarre an Gary Moore und verkündete, er habe sein Interesse an der Musik völlig verloren, werde keine Platten mehr veröffentlichen und keine Konzerte mehr geben und wolle sich künftig nur noch der Religion widmen. Er verstieg sich dazu, seine Gitarre als einen Dämon zu bezeichnen, der über das verwerfliche Reich aus Ruhm, Geld und Drogen regiere. Es war unverkennbar, dass Peter Green in eine schwere psychische Krise geraten war und es zeigte sich, dass sein LSD-Konsum zu Schüben von Psychosen führte. Er konnte über Tage und Wochen ganz normal sein, aber plötzlich kippte sein Zustand in mentale Verwirrung und er wurde von Wahnvorstellungen geplagt. Später hat er darüber berichtet, er habe Stimmen gehört und Halluzinationen gehabt. Doch auch nach seiner späteren halbwegs erfolgten Genesung bestand er darauf, dass es die Gottlosigkeit des Popbusiness, der Lug und Trug des Ruhms gewesen sei, der ihn zum Rückzug genötigt habe. Im Song „Spiritual Thief“ aus dem letzten Album seiner Splinter Group wurde dieses Thema nicht ohne Ironie angesprochen. Sein Freund und neuer musikalischer Mitstreiter Nigel Watson schrieb für Peter Green diesen Song über einen spirituellen Dieb, der durch sein Haus geistern und ihn verfolgen würde. Er würde versuchen, seine Seele zu stehlen. Er würde in seinem Kopf klingeln wie ein Phantom-Telefon. Die einzige Chance, diesen spirituellen Dieb loszuwerden sei, er müsse gehen und diesen Ort verlassen.
„Spiritual Thief“ - Peter Green Splinter Group
“Reaching The Cold 100”

„Reaching The Cold 100“, so hieß das vorletzte Album von Peter Green’s Splinter Group aus dem Jahre 2003, daraus entnommen war dieser nicht unironische Song “Spiritual Thief”, der die spirituelle Suche von Peter Green Anfang der siebziger Jahre mit ihrer Neigung zur Verschrobenheit und Wahnhaftigkeit textlich angedeutet hat. Sein löbliches karitatives Engagement, seine Aktivitäten, das Geld, das er aus Tantiemenzahlungen erhielt, zu verschenken, war auf den ersten Blick allerehrenwert, genauso wie seine Aussage, diese Einnahmen, die ihm aus seinen Kompositionen zuflössen, seien viel zu hoch, gemessen am Elend in der Welt und der Tatsache, dass unzählige Menschen alljährlich an Unterernährung sterben müssten. Das alles war nachvollziehbar, nicht aber seine Attacke gegenüber seinem früheren Manager, den er im Jahre 1976 mit einer Schrotflinte bedrohte. Peter Green, der alljährlich rund 30 Tausend Pfund an Tantiemen aus seiner Fleetwood Mac-Zeit von dem Manager überwiesen bekam, stürmte in dessen Büro und forderte mit vorgehaltener Flinte, er solle sofort die Überweisungen stoppen, er wolle dieses verfluchte Geld nicht mehr und wolle mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Der erschrockene Manager rief die Polizei, worauf Peter Green verhaftet und in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde. Dort diagnostizierte man eine schleichende Schizophrenie. Drei Jahre lang war Peter Green in psychiatrischer Behandlung. Dann 1979 veröffentlichte er, scheinbar gesundet, sein gefeiertes Soloalbum „In The Skies“, dem bis 1984 vier weitere hoch gelobte Alben folgten. Doch dann plötzlich brach er alle Kontakte wieder ab und verschwand von der Bildfläche. Er lebte völlig zurückgezogen in einem Haus, in dem es nicht mal einen Plattenspieler gab. Der einst begnadete Gitarrist wollte erneut mit der Musik nichts mehr zu tun haben. Es dauerte bis 1996, als er wieder aus der Versenkung auftauchte. Anlässlich der Frankfurter Musikmesse Anno 96 stand er plötzlich wieder auf der Bühne und feierte ein Comeback, mit dem niemand mehr gerechnet hatte. Ein Jahr später präsentierte er seine neue Begleitband, die Splinter Group, mit der er regelmäßig wieder auf Tour ging und fast alljährlich ein neues Album veröffentlichte. Es fiel zwar auf, dass er keinen einzigen Song mehr selbst geschrieben hatte, dass er von seinem Gitarren-Partner in der Band, Nigel Watson, oft solistisch unterstützt wurde, vielleicht auch unterstützt werden musste, auch sein Gesang wirkte live manchmal kraftlos, doch insgesamt schien der einst verlorene Sohn wieder ins Leben der Blues-Rock-Live-Szene zurückgekehrt zu sein und an der Gestaltung des britischen Blues wieder kreativ sich beteiligen zu wollen. Er schien gesund, vital und mit sich im Reinen zu sein und mit seiner Splinter Group den Spaß am Musizieren wieder gefunden zu haben.

Albumcover

Doch dann kam im Frühjahr 2004 die Meldung, Peter Green habe sich überraschend von der Splinter Group getrennt. Eine bereits vereinbarte Tournee wurde abgesagt, das bereits vorbereitete neue Album storniert. Informationen zu diesem Vorgang, die ursprünglich auf der Website der Splinter Group veröffentlicht wurden, mussten auf Betreiben des Managements von Peter Green gelöscht werden. Anfragen an die Splinter Group, mit der Peter Green sieben Jahre lang zusammengearbeitet hatte, wurden stereotyp beantwortet, man dürfe sich zur Sache nicht äußern, weil Anwälte damit befasst seien. Wenig später war der gesamte Web-Auftritt von Peter Green/Splinter Group aus dem Netz entfernt worden. Was war los mit Peter Green? In seinem Album „Destiny Road“, eingespielt mit seiner Splinter Group findet sich der Song „I Can’t Help Myself“

Liefert die Refrainzeile des Songs „I Can’t Help Myself“ einen Schlüssel dafür, die unerklärlichen Reaktionen von Peter Green zu verstehen? Er habe wahrscheinlich einen LSD-Trip zu viel gehabt, sagte er in einem Interview - und 1994 sagte er der Zeitschrift Mojo, er komme sich wie ein Zombie vor, der irgendwelche Tabletten schlucke, ohne zu wissen, wofür die gut seien. Sie würden ihn so müde machen, so dass er plötzlich am helllichten Tag einschlafen würde. 2005 sollte er als prominentestes Mitglied der eigens für ihn zusammengestellten Band „The British Blues All Stars“ auf eine zweiwöchige Tournee durch Deutschland gehen. Die Tour musste kurzfristig gecancelt werden, weil „die Vormundschaft von Peter Green, die gleichzeitig sein Management ist und der Tour ausdrücklich zugestimmt hatte, plötzlich seine Teilnahme ohne Angabe von Gründen abgesagt hat“, dies meldete die frustrierte Tourneeleitung. Was war los mit Peter Green? War er noch Herr seiner Entscheidungen? Inwieweit regierte sein Management, das gleichzeitig seine „Vormundschaft“ war, in sein Leben hinein?
Peter Green’s Reputation als Gitarrist und Songschreiber innerhalb der Musiker-Szene schien auch in den 90er Jahren ungebrochen zu sein. Gary Moore veröffentlichte 1995 sein Hommage-Album „Blues for Greeny“. Im gleichen Jahr erschien auch das zweiteilige Peter Green-Songbook „A Tribute To His Work“ mit 28 neu eingespielten Bearbeitungen alter Peter Green-Songs, aufgenommen von der internationalen Bluesrock-Prominenz, darunter der wenig später verstorbene Rory Gallagher, oder auch Snowy White, Paul Jones, Ian Anderson und – hier zu hören Southside Johnny – auch enthalten im Tribute-Album „The Rattlesnake Guitar - The Music of Peter Green“ von 1997

Southside Johnny, der kratzkehlige Bluesrock-Sänger aus New Jersey, hier mal nicht mit seiner Hauskapelle, den Asbury Jukes, sondern begleitet unter anderem vom Slidegitarristen Rod Price, er war auch beteiligt am zweiteiligen Tribute-Album „Peter Green Songbook“ von 1995. Die erfolgreiche und viel beachtete Veröffentlichung dieses Hommage-Doppelalbums dürfte dazu beigetragen haben, dass sich Peter Green aufraffte, nicht weiter wie in den Jahren zuvor, seine Tage glücklich auf dem Sofa seines Bruders zu verdämmern, wie er sich später selbst ausdrückte, sondern wieder musikalisch aktiv zu werden und ein erneutes Comeback zu starten. Die interessierte Musikszene staunte über diese unverhoffte Wiedergeburt von Peter Green, der zuvor nur als „erloschener Vulkan“, als „tragische Figur“ oder als „Verlierer aus Passion“ tituliert worden war. Überrascht davon, wie dieser hypersensible, zu Depressionen und Selbstzweifeln neigende Musiker sich nach seinem 12 Jahre währenden Rückzug nun wieder scheinbar gesundet auf der Bühne präsentierte, wurde er allgemein freudig begrüßt und teilweise begeistert gefeiert. Allerdings waren die 12 Jahre völliger musikalischer Abstinenz nicht spurlos an ihm vorübergegangen; eine gewisse Müdigkeit und auch handwerklich-spieltechnische Defizite waren bei seinen ersten Comeback-Auftritten 1996 nicht zu überhören. In den Interviews jener Zeit wurden natürlich auch Fragen nach seinen abrupten Karriereabbrüchen gestellt. Er sagte nicht viel dazu, außer, dass er sich manchmal selbst im Wege stehen würde, doch der Ausstieg bei Fleetwood Mac 1970 sei kein plötzlicher Anfall von Wahnsinn gewesen, sondern habe sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Und wenn man sich manche seiner Songtexte anschaut, die er für Fleetwood Mac geschrieben hatte, kann man unschwer herauslesen, dass sich seine Probleme mit dem Starruhm schon lange angedeutet hatten. In seinem Song „Closing my Eyes“ von 1969 heißt es im Text
„Steht mir die Frage nicht zu, was ich tun soll mit meinem Leben, das ich bisher geführt habe. Sagt mal, Leute, bin ich Euch wirklich was wert?“
(CLOSING MY EYES)

Und die innere Verstörtheit, die ihn zunehmend quälte, auch der Überdruss am oberflächlichen Popleben, trat mehr als deutlich im Songtext seines zweiten großen Hits, nach „Albatross“ zu Tage, im Text von „Man Of The World“. Die Single erschien im Frühjahr 1969 und belegte Platz 2 der britischen Charts. Im Text heißt es:
„Ich hab schon alles, was ich brauch, ich will nicht mehr. Und es gibt keinen, dem ich etwas neide, aber ich wünschte, ich wär nie geboren.“
(MAN OF THE WORLD)

Die psychischen Probleme von Peter Green sie mehrten sich nicht nur in dieser Zeit, sie spitzten sich dramatisch zu. Anzeichen dafür konnte man auch aus seinen Songtexten jener Zeit herauslesen. „Eines Nachts wachte ich völlig verschwitzt auf und hatte eine panische Angst, mich nicht mehr bewegen zu können. Mein Körper war ein einziger Schrecken und dennoch nicht krank“, erzählte Peter Green über die Entstehung seines letzten Songs, den er für Fleetwood Mac geschrieben hatte. In jener Alptraum-Nacht kam ihm die Idee zum Song „The Green Manalishi“, als Single veröffentlicht im Mai 1970.
Peter Green’s Songtext handelt von einem gehörnten grünen Hund, der ihn jagt und bedroht. In all seinen Interviews betonte er stets, dass dieser grüne Hund einen Boten des Teufels darstelle und nichts anderes als ein Synonym für den Greenback sei – also den US-Dollar. Darin zeigte sich Peter Green’s Ablehnung des kommerziellen Systems, in dem er sich gefangen fühlte. Die Erwartungshaltungen an sein musikalisches Schaffen durch die Plattenindustrie und die Medien setzten ihn enorm unter Druck. Und diesem Druck wollte er sich nicht länger aussetzten. In seinem Songtext heißt es:
„Du schleichst um mich herum und raubst mir meinen Willen.
Du brauchst meine Liebe nicht, schleichst nur herum und wartest, dass ich den Verstand verliere.“
„The Green Manalishi” - Fleetwood Mac

Die Single „The Green Manalishi“ von Fleetwood Mac erschien im Mai 1970 und erreichte Platz 10 der britischen Charts.
Welche Wertschätzung Peter Green unter Musikern in den späten 60er Jahren genoss, wird besonders am folgenden Songbeispiel deutlich. Niemand anders als die Beatles zitierten in ihrem Album „Abbey Road“ den Gitarrensound und -Stil von Peter Green. Hintergrund war, dass Fleetwood Mac im Jahre 1969 von den Lesern eines britischen Magazins noch vor den Beatles zur besten Band des Jahres gewählt worden war. Die Beatles nahmen es sportlich und widmeten ihren Abbey Road-Song „Sun King“ Peter Green. Die klanglichen Anleihen bei seinem Nummer-1-Hit, Albatross, als Single erschienen am 22. November 1968, waren unüberhörbar.
Fleetwood Mac „Albatross“

The Beatles „Sun King“

Größere Weihen und Ehrbezeugungen konnte man Anno 1969 als Musiker nicht erhalten. Von den Beatles, den Übergöttern der sechziger Jahre mit einem Song geehrt zu werden, das war das Allerhöchste. Peter Green wurde diese Ehre zuteil mit John Lennons Komposition „Sun King“, die den Gitarrensound und den Stil des Peter Green-Titels „Albatross“ zitierte.
Der weltweit wohl populärste Titel, den Peter Green geschrieben hat, dürfte der folgende sein, um den sich eine interessante Geschichte rankt. Peter Green hatte schon zu Zeiten seiner Bandmitgliedschaft in John Mayall’s Bluesbreakers eigene Songs geschrieben, die zum Teil auch für Alben der Bluesbreakers aufgenommen wurden. John Mayall erzählte, Peter Green sei einmal zu ihm gekommen und habe darüber geklagt, dass das Komponieren von Songs ihm manchmal sehr schwer falle, weil ihm einfach nichts einfallen würde und er habe gefragt: „John, was soll ich machen?“ – John Mayall habe darauf geantwortet, er solle sich irgendein Stück, das ihm besonders gefalle, vornehmen, solle daraus einen kleinen Teil aufgreifen und nun selbst mit diesem Baustein, mit dieser Idee weiterarbeiten. Er solle an Situationen in seinem Leben denken, die ihn inspiriert oder geärgert hätten. Dann solle er beides miteinander verbinden und schauen, wohin das führt. Peter Green habe daraufhin gesagt, alles klar, dann mach ich das mal so und sei etwa eine Stunde später mit dem Text und der Musik eines kompletten Liedes wieder zurückgekommen. Das Verblüffende daran war, Peter Green hatte kein Instrument zur Verfügung, mit Hilfe dessen, er diesen Song hätte komponieren können, er hatte nicht nur den Text, sondern auch die Musik des Songs im Kopf entwickelt und erst später zur Gitarre seinem Mentor vorgesungen. John Mayall fand den Song nicht schlecht, aber es kam nicht zu einer Aufnahme mit den Bluesbreakers. Erst mit seiner eigenen Band, Fleetwood Mac, nahm Peter Green diesen Song im Frühjahr 1968 auf, die Veröffentlichung als Single erreichte aber nur Platz 37 in den britischen Charts. Doch als ein US-amerikanischer Gitarrist diesen Peter Green-Song 1970 aufnahm und veröffentlichte, stieg der Song plötzlich zu einem weltweiten TopHit auf.

“Black Magic Woman“ / Santana

„Black Magic Woman“ / Fleetwood Mac

Dies war die Original-Single „Black Magic Woman” von Fleetwood Mac, die am 29. März 1968 veröffentlicht wurde, davor war die berühmte Bearbeitung dieses Peter Green-Songs von Carlos Santana zu hören, veröffentlicht im zweiten Santana-Album „Abraxas“, das im November 1970 erschienen ist.
Peter Green war weder der lauteste noch der schnellste Gitarrero im britischen Bluesrock. Das explodierend Expressive war nicht unbedingt seine Sache. Er bevorzugte eher den implodierenden Bluesgitarrenton. An Äußerlichkeiten war seine Musik nicht sonderlich interessiert. Bei ihm zündete es mehr im Innern, im beseelten Bluesfeeling. Er bevorzugte den introvertierten Ausdruck mit Gespür und Gelassenheit und pflegte den relaxden Stil in einer musikalischen Verwandtschaft zu J.J. Cale und Eric Clapton.
Aus dem Kreise seiner Familie hieß es gestern (25.07.2020)  in einer kurzen Erklärung, Peter Green sei friedlich im Schlaf verstorben.