The Beatles and India

ein neues Projekt über die indische Phase der Beatles

aus der Perspektive indischer Künstler

Die Beatles waren es, die den Pilgerzug der Hippies und Teilzeitaussteiger nach Indien auslösten. Als das Quartett im Februar 1968 nach Indien aufbrach, um der Beatles-Hybris zu entkommen und im Ashram des Gurus Maharishi Mahesh Yogi in Rishikesh die Transzendentale Meditation zu erlernen, in der Hoffnung, Seelenfrieden und einen neuen Lebenssinn zu finden, interessierte sich plötzlich die halbe Popwelt für indische Philosophie und Musik.
Zuvor hatte schon jeder zweite Amateurgitarrist im Westen mit dem Gedanken gespielt, sich eine Sitar zu kaufen – nur weil George Harrison im Lennon-Song „Norwegian Wood“ 1965 den Sound der Sitar in die Popmusik eingeführt hatte und im „Sgt. Pepper“-Album (1967) seinen Song „Within You Without You“ ausschließlich mit der Sitar und anderen indischen Instrumenten arrangierte.

Als die Fotos aus Rishikesh um die Welt gingen, auf denen man bärtige, freundlich dreinschauende Beatles und ihre Frauen in weißen, luftigen Gewändern unter schattigen Bäumen flanieren und – mit Blumenketten geschmückt – an der Seite des Hippie-Heilands Maharishi meditieren sah, schien sich der Mittelpunkt der Popwelt für ein paar Wochen nach Indien verlagert zu haben.

The Beatles and India
(2021) von Ajoy Bose, Peter Compton ©Renoir Picture

Danach war Rishikesh im Besonderen und Indien im Allgemeinen ein Sehnsuchtsort, der vor allem in den siebziger Jahren Tausende von Popjüngern auf der Suche nach Erleuchtung wie magisch anzog.

I am the Eggman, Beatles Ashram, Rishikesh, India (Foto: wikimedia commons)_

Nun wird dieses Phänomen aus indischer Sicht neu interpretiert. Der Buchautor Ajoy Bose aus Delhi löste mit seiner Publikation „Across The Universe“ eine Filmdokumentation, ein Songalbum und eine Ausstellung zum Thema Beatles aus der indischen Perspektive aus.

Buch-Titelseite

Unter der Überschrift „The Beatles and India“ ist zumindest das Album nun auch in Deutschland erschienen. Der Dokumentarfilm und die Ausstellung sollen bald auch hierzulande zu sehen sein – daran arbeitet die Expertin für indische Musik und Kultur Sigrid Pfeffer, die in dieser Sendung ausführlich zu Wort kommt.

Teilansicht der Ausstellung "The Beatles and India"

Als die Beatles aus Indien zurückkehrten, brachten sie rund 40 neue Songs bzw. Songskizzen mit nach Hause. Ein Großteil davon wurde für das „White Album“ ausgearbeitet.
Und wie war es mit der Erleuchtung und dem Seelenfrieden? In John Lennons „Happy Rishikesh Song“, der mangels musikalischer Qualität zu recht nur in der Demofassung innerhalb der Box „Lennon Anthology“ veröffentlicht wurde, heißt es im Text: „Alles was du tun musst, ist, dieses kleine Wort zu sagen, ich weiß es klingt absurd, aber es ist wahr. Da ist Magie im Mantra, es gibt dir alle Antworten“. Doch in der Mitte des Songs kippt der Happy Rishikesh-Song in düsteres Moll. Plötzlich singt Lennon: „I feel so suicidal, something is wrong“. In der Versenkung falsch gelaufener Meditationsversuche war er mit seinen eigenen seelischen Dämonen konfrontiert worden.

Die Passage "I feel so suicidal" beginnt bei 25:40

Die überwiegend jungen indischen Musiker und Musikerinnen, die im Album „The Beatles and India“ viele der in Rishikesh entstandenen Beatles-Songs im Klanggewand der indischen Pop-Musiktradition neu interpretieren, geben den über 50 Jahre alten Beatles-Originalsongs eine neue Deutung aus der indischen Perspektive.

Anoushka Shankar (Foto: wikipedia)

Karsh Kale (Foto: Wikimedia)

In den Neufassungen von Anoushka Shankar, Karsh Kale, Kiss Nuka u.a. kann man Faszinierendes heraushören: spirituelle Reinheit, klangliches Raffinement und kreative Rekomposition.
Lennons „Happy Rishikesh Song“ gehört nicht zum Repertoire des Albums „The Beatles in India“, das im Mittelpunkt dieser Kramladensendung steht.
Sendung im Webradio ByteFM am 03.02.2022, 23 Uhr, Wiederholung 05.02.2022, 14 Uhr - außerdem in Kürze auch in radio-rebell

Die Playlist zur Sendung:
Artist / Track / Album / Label / Zeitplan
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records / 00:32
2. Anouska Shankar, Karsh Kale / The Inner Light / The Beatles and India / Silva Screen Records / 03:45

3. John Lennon / Gimme Some Truth (Akzent) / Imagine / Apple / 10:08
4. Soulmate / Gimme Some Truth / The Beatles and India / Silva Screen Records / 10:42

5. Kiss Nuka / Tomorrow Never Knows / The Beatles and India / Silva Screen Records / 18:37

6. Indian Beatles / Shammi Kapoor / Janwar (Soundtrack) / download / 24:27

7. Dhruv Ghanekar / Love You Too / The Beatles and India / Silva Screen Records / 29:21

8. The Beatles / Love You Too (Akzent) / Revolver / Apple / 33:11
9. The Beatles / Mother Nature’s Son (Akzent) / The Beatles / Apple / 38:16
10. Karsh Kale, Benny Dayal / Mother Nature’s Son / The Beatles and India / Silva Screen Records / 38:59

11. The Beatles / Across The Universe (Akzent) / Let It Be / Apple / 43:55
12. Mali, Tejas / Across The Universe / The Beatles and India / Silva Screen Records / 45:01

13. Monica Dogra, Karsh Kale / Dear Prudence / The Beatles and India / Silva Screen Records / 50:41

14. The Beatles / Dear Prudence (Akzent) / The Beatles / Apple / 54:21

15. Dhruv Ghanekar/ Julia / The Beatles and India / Silva Screen Records / 56:42

Die Kurzfassung der Sendung "The Beatles and India" mit Moderation, Gespräch mit Sigrid Pfeffer und kurzen Musikausschnitten ist hier zu hören:

Das Gespräch mit Sigrid Pfeffer zum Thema "The Beatles and India" und allgemein über die Popmusik in Indien ist in voller Länge hier zu hören:

Hier sind zwei weitere Songs aus dem Album "The Beatles in India" als YouTube-Audio zu hören: