Eric Burdon. Zum 80. Geburtstag.

Eric Burdon 1967 (Wikimedia Commons

Was seine Ausdruckskraft und vokale Energie angeht, zählt Eric Burdon zu den bedeutendsten Blues- und Soul-Sängern weißer Hautfarbe. Am 11. Mai 1941 in einem Arbeiterviertel der Industrie- und Hafen-Stadt Newcastle im Nordosten Englands geboren, schulte der junge Eric Burdon seine Stimme an schwarzen Vorbildern wie Ray Charles und John Lee Hooker. Seiner 1962 gemeinsam mit dem Organisten Alan Price gegründeten Rhythm’n’Blues-Band The Animals gelang es 1964 mit ihrer Hitsingle „The House Of The Rising Sun“ die Beatles von Platz 1 der Singlecharts zu verdrängen.

Nach den Beatles und den Rolling Stones waren die Animals die dritte Erfolgs-Band der „British Invasion“ in den USA. Im Oktober 1964 traten die Animals in der populären Ed Sullivan-Show im US-TV auf. Drei weitere Auftritte in der Ed Sullivan Show 1965 begründeten den Ruhm von Eric Burdon in den USA.

Nachdem der Animals-Bassist Chas Chandler Ende 1966 Jimi Hendrix nach London holte, begann sich eine intensive Freundschaft zwischen Jimi Hendrix und Eric Burdon, der immer einen besonderen Draht zu schwarzen Musikern hatte, zu entwickeln. „Ich habe die allerletzte Session mit ihm vor seinem Tod gespielt und war selbst dabei, als er starb.“ (Eric Burdon, 2013, www.derwesten.de/kultur)
Im Juni 1967 standen die Animals – neben The Who – als einzige britische Band auf der Bühne des ersten Mega-Festivals der Popgeschichte im kalifornischen Monterey.

Danach, im „Summer Of Love“ 1967 übersiedelte Eric Burdon nach San Francisco, was den Beginn seiner Hippie-Phase markierte. Dort produzierte er mit seinen neu formierten New Animals drei LPs mit „psychedelischer Rauschmusik“ (Rock-Lexikon). Der bekannteste Song dieser Ära war „San Franciscan Nights“.

Nach seiner Hippie-, Drogen- und Guru-Zeit überraschte er 1970 als Sänger der schwarzen Blues- Soul- und Funkband War, mit der er die viel beachteten Alben „Eric Burdon Declares War“ und „Black Man’s Burdon“ veröffentlichte.

In den Folgejahren arbeitete der „schwärzeste aller weißen Bluessänger“ (Wieland Harms) an seiner Solokarriere, gründete die Eric Burdon Band, trat aber auch immer wieder mit den Animals auf. Allerdings waren nicht mehr viele dieser Aktivitäten von Erfolg gekrönt. Der Abwärtstrend wurde vorübergehend gestoppt durch Udo Lindenberg, den Theatermann Peter Zadek und deren Rock-Revue ’79. Im Showprogramm der umjubelten, sehr erfolgreichen Deutschlandtour der Rock-Revue sang Gaststar Eric Burdon zum Teil gemeinsam mit Udo Lindenberg die großen Songklassiker der Animals.

Zuvor hatte Eric Burdon, der immer von einer Schauspieler-Karriere träumte, ein Nebenrolle im Debütspielfilm „Biggi Westgermany“ der deutschen Regisseurin Christel Buschmann erhalten. In deren zweitem Film „Comeback“ konnte Eric Burdon 1981 sogar die Hauptrolle übernehmen. Auch wenn der Film von der Kritik überwiegend verrissen wurde, verhalf das gleichnamige Album zum Film Eric Burdon endlich wieder zu Applaus und Anerkennung.

Für sein Rockpalastkonzert im August 1982 auf der Loreley wurde er wieder wie in besten Zeiten gefeiert.

Doch seine Unstetigkeit, mit der er sich schon in den siebziger Jahren selbst im Wege stand, sollte sich auch im Verlaufe der achtziger Jahre fortsetzen. Seine frühen Drogen- und späteren Alkohol-Probleme führten zu persönlichen und familiären Krisen. Gerichtliche Auseinandersetzungen mit Plattenfirmen, Management und Ex-Begleitmusikern mehrten sich. Weil auch kreative Durststrecken hinzukamen, landete so manche neue LP-Veröffentlichung im kommerziellen Abseits. Und selbst auf seine langjährige Domäne der mitreißenden Bühnen-Performance war kein Verlass mehr. „Mr Eric Bourbon“, wie der oft stark alkoholisiert auftretende Sänger genannt wurde, sah sich zunehmend mit negativen Konzertkritiken konfrontiert: „Ein Konzert von Eric Burdon ist heute kein reines Vergnügen mehr. Er ist musikalisch inzwischen nur noch ein Schatten seiner selbst, hat seine frühere Faszination und Ausdrucksvielfalt längst eingebüßt“, schrieb der Berliner Tagesspiegel 1984. Doch in der gleichen Zeitung wurde Eric Burdon zehn Jahre später anerkennend als „einer der großen Weitermacher des Rock“ gelobt. Mit dem Ex-Doors-Gitarristen Robbie Krieger ging Eric Burdon 1990 erfolgreich auf Tournee, um danach mit Brian Auger zusammenzuarbeiten, was 1993 zum allseits hoch gelobten Live-Doppelalbum „Access All Areas“ führte.

Nachdem schon 1986 seine erste Autobiographie unter der Überschrift „I Used To Be An Animal But I’m Alright Now“ erschienen war, folgte 2004 seine zweite Autobiografie in Buchform und als begleitendes Album mit dem Titel „My Secret Life“, nach dem gleichnamigen Song von Leonard Cohen.

Auch die folgenden Studioalben „Soul Of A Man“ (2006) und „’Til Your River Runs Dry“ von 2013, sein bis dato letztes musikalisches Lebenszeichen, wurden als gelungene Alterswerke begrüßt.

Die letzten im Netz auffindbaren Konzertaufnahmen von Eric Burdon vom 8. Oktober 2019 in Paris zeigen einen zwar gut aufgelegten Sänger, der aber immer wieder mit erheblichen Intonationsproblemen zu kämpfen hat.

Seit 2019 hat er keine Konzerte mehr gegeben. Tour-Pläne für 2020/21 sind Corona zum Opfer gefallen. Denkt er mit 80 Jahren ans aufhören? „Was soll ich denn dann tun? Gartenarbeit? Oder mir ein dickes Auto kaufen? Das ist alles nichts für mich“, sagte er in einem aktuellen Interview.
Möge die abschließenden Konzertkritik aus dem Jahre 2005 auch heute noch zutreffen:
„Burdons Stimme ist noch immer ein Phänomen. Selbst die abgenudelndsten Nummern erfüllt dieses Organ mit Inbrunst. Vergangenheit vergeht nicht. Im Rock’n’Roll schon gar nicht.“

Warum er im deutschen Herbst im Baader-Meinhof-Hochsicherheitsgefängnis in Stammheim einsaß und warum er als der „Eggman“ in John Lennons Beatles-Song „I’m The Walrus“ verewigt wurde, dazu mehr in der Kramladen-Würdigung zum 80. Geburtstag des „Rock’n’Roll Animal“ (BBC) Eric Burdon.
Kramladen in ByteFM "Eric Burdon zum 80. Geburtstag" am Do 13.05. 2021, 23-24 Uhr (Wiederholung Sa 15.05.2021, 14-15 Uhr

In seiner Autobiografie „My Secret Life“ schreibt Eric Burdon: „Ich kann mir den Luxus leisten, einer Arbeit nachzugehen, bei der ich in ein Meer von Gesichtern blicken und, mit Hilfe meiner Band, all diese Menschen musikalisch berühren und irgendwie aus ihrem Alltagstrott herausreißen kann – und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Auch für mich ist das eine Art Therapie; Rockmusik kann ein wahrer Jungbrunnen sein ... wenn sie einen nicht vorher umbringt!
Wie so ziemlich jeder andere Musiker bin auch ich von Geschäftemachern übers Ohr gehauen worden. Aber dabei geht es ja nur um Geld, und das lässt sich früher oder später immer auftun. Hauptsache, ich bin noch am Leben und kann über all das schreiben – und singen. Ich hab es ja schon oft gesagt: ‚I’m just a soul whose intentions are good. Please don’t let me be misunderstood.’“

Buchcover der Autobiografie "My Secret Life" (Palmyra Verlag)