Die Morde der Manson-Family am 9. und 10 August 1969, oder – der mörderische Rassismus grassiert, damals wie heute

Das Grab von Sharon Tate (Foto: Wikipedia)

Vor genau 50 Jahren verlor die Hippie-Bewegung von Love & Peace ihre Unschuld in den brutalen Mordexzessen der diabolischen Hippiesekte des Charles Manson. Die mörderische Manson-Family zerstörte den Hippietraum von Liebe, Friede und Verständigung mit 100 Messerstichen auf bestialische Weise.
Zwei Beatles-Songs, „Piggies“ und „Helter Skelter“ aus dem Weißen Album sollten bei dem Massaker der Manson-Bande ungewollt eine makabre Rolle spielen.
In George Harrisons Song „Piggies“ findet sich die Textzeile „What they need’s a damn good wacking“ („was sie brauchen ist eine ordentliche Tracht Prügel“)

Charles Manson 2017 (Foto Wikipedia)

Diese Zeile wird von Charles Manson, dem psychopathischen „Todesengel von Hollywood“ als Anstiftung zu Attacken auf die Polizei verstanden. Darüber hinaus glaubt er, aus den Songs Piggies und Helter Skelter eine an ihn gerichtete Botschaft herauszuhören, wonach die Beatles vor einem bevorstehenden Chaos warnen. Er entwickelt eine krude, rassistische Theorie, die er aus den Beatles-Songs empfangen haben will, wonach ein Aufstand der schwarzen US-Amerikaner gegen die weiße Bevölkerung zu erwarten sei. Als diese für 1969 von ihm vorausgesagten gewalttätigen Unruhen nicht stattfinden, meint er, den „dummen Schwarzen“ Nachhilfeunterricht erteilen zu müssen, „wie man Weiße tötet“ (Manson). Um ein Exempel zu statuieren und um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, wählt er als Opfer reiche Berühmtheiten von Hollywood aus. Seine erste Attacke soll ursprünglich dem bekannten Musikproduzenten Terry Melcher, Sohn von Doris Day, gelten. Der Grund: der Byrds-Produzent Melcher lehnte es ab, den Möchtegern-Musiker Charles Manson zu produzieren. Manson ist allenfalls ein mittelmäßiger Musiker, träumt aber von einer Popstar-Karriere und hat sich mit dem flippigen, aber auch zu Depressionen neigenden Beach Boys-Drummer Dennis Wilson befreundet. Wilson zeigt sich von der sardonischen Ausstrahlung des Charles Manson fasziniert, produziert für ihn ein Demoband und schreibt sogar ein paar Songs gemeinsam mit Manson. Der leichtlebige Dennis Wilson profitiert eine Weile von der sexuellen Freizügikeit der weiblichen Mitglieder aus Charles Mansons Family.
Mansons mörderische Sekte
Durch LSD und Suggestion hat Manson eine Gruppe von labilen jungen Frauen und Männern an sich gebunden. Die Mitglieder dieser „Manson Family“ sind ihrem Anführer fast hörig und folgen seinen Anweisungen blind. In der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 schickt Charles Manson seine Family zur Adresse des Produzenten Terry Melcher. Doch Melcher hat sein Haus inzwischen an den Regisseur Roman Polanski und dessen Frau Sharon Tate vermietet. Die Manson Family dringt in das Anwesen ein und ermordet auf bestialische Weise alle Anwesenden. (Polanski hält sich zu dieser Zeit in Europa auf.) Mit dem Blut der erstochenen, hochschwangeren Sharon Tate schmiert eine der Manson-Mörderinnen das Wort „PIG“ an die Haustür. Bei weiteren Morden schreiben die Manson-Leute die Worte „political piggy“ und „death to pigs“ mit dem Blut der Opfer an die Wände. In den Bauch eines der Opfer rammen die Mörder eine Gabel – ein deutlicher Hinweis auf die letzte Textzeile im Song Piggies („Clutching forks and knives ...“).

„Was hat Helter Skelter mit dem Abstechen von Leuten zu tun?“ (John Lennon)

Der verkrachte Musiker, selbst ernannte Guru-Schamane und Ex-Sträfling Charles Manson, dessen Geisteszustand und psychische Verfassung als verwirrt anzusehen ist, versteht den Song Helter Skelter als an ihn gerichtete Botschaft der Beatles, dass alles in Kürze außer Kontrolle geraten werde. Er entnimmt dem Song den persönlichen Auftrag, zu töten. Helter Skelter ist für ihn das Menetekel eines bevorstehenden Rassenkrieges und gleichzeitig der Code-Name für den mörderischen Feldzug seiner Manson-Family.
Paul McCartney: „Als Symbol wählte ich das Helter-Skelter, die Rutschbahn auf dem Jahrmarkt, die rasende Fahrt vom Gipfel nach ganz unten – Aufstieg und Niedergang des Römischen Reiches –, und das hier war der Fall, der Abgang, der Sturz in die Tiefe. Im Grunde eine harmlose Nummer, aber dann bekam sie einen finsteren Beigeschmack, weil Charles Manson sie zu seiner Hymne erkor.“ (zitiert nach Barry Miles: „Paul McCartney – Many Years From Now“, Rowohlt 1998, Seite 606)
Auf der Kühlschranktür eines Hauses, in dem zwei Morde verübt wurden, findet sich am 10. August 1969 der mit dem Blut eines Opfers geschriebene Schriftzug „Healter Skelter“ (irrtümlicherweise falsch geschrieben). Nach dem Manson-Prozess schreibt der Staatsanwalt Vincent Bugliosi, der die Anklage vertrat, ein Buch über die Morde der Manson-Family, Titel: „Helter Skelter“. Das Buch, 1974 veröffentlicht, wird ein Bestseller und zwei Jahre später verfilmt.
Auch wenn die Komposition, der Text, der Sound und die Songaufnahme in ihrer Ausstrahlung etwas Hysterisches, Apokalyptisches haben, mit dem mörderischen Wahnsinn des Psychopathen Charles Manson hat Helter Skelter nichts zu tun. Und wird diese Verbindung doch niemals los.
„Charles Manson starb am 19. November 2017 im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus in Bakersfield an den Folgen von Darmkrebs“ (Wikipedia).

(Die Texte zu den Songs „Piggies“ und Helter Skelter entstammen meinem Buch „DIE BEATLES 1968 - Das Weiße Album“)

Marilyn Manson nimmt mit seinem Küntlernamen Bezug auf Marilyn Monroe und Charles Manson (Foto: Wikipedia)