Song und Tracks, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Mars annähern
Idefix ist unterwegs zum Mars-Mond „Phobos“. Die aktuelle japanisch-europäische Marsmission lenkt wieder verstärkt das Interesse auf den roten Planeten.
Im Song-Katalog der Pop/Rockmusik finden sich viele Songs, die sich mit dem Thema „Mars“ beschäftigen, allerdings mit sehr unterschiedlicher Gewichtung: Manche Songs handeln wirklich von dem roten Planeten, von Raumfahrt oder Außerirdischen; bei anderen ist „Mars“ nur Metapher, Titelbestandteil oder Namensspiel.

Darunter finden sich allerdings auch popgeschichtlich wichtige und gelungene Titel – von David Bowies Klassiker „Life on Mars?“ (1971) über „The War of the Worlds“, das Konzeptalbum über den Angriff der Marsianer auf die Erde von Jeff Wayne (1978), über „Moving To Mars“ von Coldplay (2011), The Claypool Lennon Delirium mit „The Monolith of Phobos“ (2016) und Sufjan Stevens mit dem Song-Meisterwerk „Mars“ aus seinem Album Planetarium (2017) bis „Return To The Red Planet“ von Rick Wakeman (16.10.2026), die Fortsetzung seines Albums „The Red Planet“ von 2020, deren Titel auf reale Marslandschaften, aktuelle Forschungsbilder und Missionsberichte Bezug nehmen .
In all diesen Songs und Tracks, vor allem im Bereich der Singer-Songwriter und des anspruchsvollen Indie-Folk/Pop wird der Mars selten als bloßer Science-Fiction-Ort genutzt. Er dient meist als tiefgründige Metapher für extreme Einsamkeit, menschliche Hybris, Isolation oder den unbedingten Wunsch nach einem unbelasteten Neuanfang.
Warum interessieren wir uns so sehr für den unwirtlichen Wüstenplaneten Mars? Wie wäre das psychologisch zu deuten?
Echtfarbenbild des Mars, aufgenommen vom OSIRIS-Instrument auf der ESA-Raumsonde Rosetta während ihres Vorbeiflugs an dem Planeten im Februar 2007
Das große Interesse am Mars erklärt sich wahrscheinlich aus einer Mischung aus Projektionsfläche, Ur-Mythos, Grenzerfahrung und Selbstspiegelung. Der Mars ist ein Planet, der zugleich nah und unerreichbar wirkt – und genau diese Spannung macht ihn zu einem idealen Resonanzraum für Kunst, Literatur und Popmusik.
Marble statue of Mars: "Pyrrhus",
Tech-Milliardäre planen den Aufbruch ins Weltall, die Besiedlung des Mars und investieren Unmengen an Geld, an geistigen, technologischen Ressourcen in riskante Weltall-Projekte, statt sich um den Erhalt des Heimatplaneten zu kümmern, um Frieden, Gerechtigkeit und ein auskömmliches Leben aller Erdenbürger.
Dazu ein paar Überlegungen.
a) Der Mars als Bühne für Allmachtsfantasien
Für sehr mächtige Menschen ist der Mars ein Ort, an dem sie ihre Hybris ausleben können: ein neuer Planet, ohne politische Regulierung, ohne demokratische Kontrolle, ohne historische Lasten.
Psychologisch gesehen, könnte man das als eine Flucht aus der Begrenzung deuten:
Die Erde ist kompliziert, widerspenstig, voller Konflikte. Der Mars ist leer – und damit formbar.
b) Der Mars als „Reset-Knopf“
Viele dieser Projekte folgen der Fantasie: „Wenn wir die Erde nicht retten können, bauen wir einfach eine neue.“
Das könnte man als eine Vermeidungsstrategie verstehen:
Statt sich mit den realen, komplexen Problemen der Erde auseinanderzusetzen, wird ein Ersatzschauplatz geschaffen, der einfacher erscheint, weil er noch keine Menschen, keine Geschichte, keine Ungerechtigkeit hat.
c) Der Mars als narzisstisches Monument
Der Mars ist ein Ort, an dem man sich „unsterblich“ machen kann.
Eine Kolonie auf dem Mars ist ein Denkmal, das größer ist als jede Stiftung, jede Reform, jedes soziale Projekt.
Das mag psychologisch nachvollziehbar sein, ist aber gesellschaftlich höchst problematisch.

Warum beschäftigen wir uns so gerne mit Sciencefiction-Themen und flüchten uns in Träumereien von Reisen zum unbewohnbaren Mars, statt alles dafür zu tun, dass unsere Erde ein lebenswerter Ort bleibt?
Womöglich flüchten wir uns in Mars‑Mythen und Science-Fiction, weil sie psychologisch drei starke Funktionen erfüllen: Entlastung, Distanzierung und Selbstspiegelung. Und genau diese Mechanismen wirken besonders stark in Zeiten, in denen die Erde sich krisenhaft anfühlt.
The red planet Mars, named for the Roman god of war, has long been an omen in the night sky
Der Mythos Mars verbindet jahrtausendealte religiöse und astrologische Vorstellungen über den roten Planeten mit modernen Mythen über Alien-Zivilisationen, Science-Fiction und Weltraumkolonisation.
Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht, ob es Leben auf dem Mars gibt.
Sondern: Wie wir das Leben auf der Erde bewahren.

Die Playlist zur Sendung „Mythos Mars“
Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Rick Wakeman / Noctis Labyrinthus / The Return To The Red Planet / Madfish, Edel
3. Coldplay / Moving To Mars / Every Teardrop Is a Waterfall / Parlophone
4. David Bowie / Live On Mars? / Honky Dory / RCA
5. Rick Wakeman / Bowie’s Vision / The Return To The Red Planet / Madfish, Edel
6. Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly, James McAlister / Mars / Planetarium / 4AD
7. The Claypool Lennon Delirium / Monolith of Phobos / Monolith of Phobos / ATO

8. Jeff Wayne / The Eve of the War / The War Of The Worlds / CBS
Mars image of Phobos, taken on September 4, 2018
Die Sendung „Mythos Mars“ ist zu hören in
- ByteFM am Do 22.10.2026 um 23 Uhr und am Sa 24.10.2026 um 14 Uhr
- Antenne Mainz via DAB+, UKW und Online Streaming am Do 22.10.26 um 23 Uhr und am So 25.10.26 um 22 Uhr
- Radio-Rebell, vom Fr 23. bis So 25.10.26, jeweils um 22 Uhr

Der Zusammenschnitt der Sendung „Mythos Mars“ ist als Podcast hier zu hören:
