Vor 60 Jahren: 1966. Teil 2. Die Songs

Wichtige Songs, die bis heute überdauert haben

Der Podcast zur Sendung

The Lovin Spoonful "Summer In The City" (Single-Cover)

 

1966 wird als das Jahr beschrieben, in dem Pop „erwachsen“ wurde, künstlerisch anspruchsvoller, kreativer in der Gestaltung und inhaltlich anspruchsvoller. Die Songtexte beschäftigten sich zunehmend in stärkerem Maße mit Sexualität, Drogen, Protest und Gegenkultur. Diese neue inhaltliche Offenheit führte fast zwangsläufig zu einer mutigeren Entwicklung in fast allen Bereichen der Musik, von einer komplexeren Song-Komposition bis zur aufwändigen Studio-Produktion. Im Popjahr 1966 flossen mehrere Strömungen zusammen: der enorme Erfolg der Beatles, der kreative Wettlauf mit den Beach Boys, mehr Geld in der Musikindustrie und ein kulturelles Klima, das Experimente begünstigte. Gleichzeitig verschob sich der Markt in Richtung Alben, was ambitioniertere Produktionen ermöglichte.

 

Single-Cover

Deshalb wird 1966 oft als Wendepunkt gesehen: Nicht, weil plötzlich alles neu war, sondern weil verschiedene Entwicklungen gleichzeitig sichtbar wurden und den Anstoß für den modernen Studio-Pop gaben.
Die aufkommende Hippie-Kultur beeinflusste die Musik von 1966 vor allem dadurch, dass sie die Ausrichtung von Pop und Rock von reiner Unterhaltung in Richtung Gegenkultur und Klangexperiment verschob. Die neue Musik wurde enger mit Frieden, Freiheit, Protest, Drogenkultur und alternativen Lebensstilen verbunden.
Die gegenkulturellen Bewegungen in den Zentren der Popentwicklung machten die Musik politischer und persönlicher zugleich: Anti-Kriegs-Haltung, Freiheitsideen und ein offeneres Verständnis von Sexualität und Selbstentwurf wurden in Songs und Bühnenauftritten sichtbarer. Damit wurde Pop immer mehr zur wichtigsten Ausdrucksform des neuen Lebensgefühls der jungen Generation.

 

Single-Cover

Die Hippie-Kultur stärkte insbesondere auch Folk und Folk-Rock, weil akustische Songs gut zu Protest, Gemeinschaft und Authentizität passten. Gleichzeitig wurden indische Klänge, etwa die Sitar, populärer, weil die Popszene sich zunehmend für Spiritualität und außereuropäische Kultur interessierten.
Pop-Musik war 1966 eng mit dem Look und der Szene verbunden: lange Haare, bunte Kleidung, Poster-Ästhetik und Festivals waren Teil derselben Kultur. Das veränderte nicht nur den Sound, sondern auch die Art, wie Bands sich präsentierten und wie Hörer die Musik erlebten.
Vor allem durch den Einfluss der sich speziell in Kalifornien ausbreitenden Hippie-Kultur wurde Pop in kurzer Zeit offener, länger, experimenteller und gesellschaftlich aufgeladener. Ohne diese Verschiebung wären viele spätere Formen von Art Rock, Prog und Gegenkultur-Musik kaum denkbar gewesen.
Drogen wie LSD beeinflussten 1966 die Songstrukturen vor allem dadurch, dass Songs tendenziell sich weniger linear und stattdessen deutlich klangorientierter entwickelten. Statt klarer Strophe-Refrain-Logik entstanden immer häufiger offene Formen, längere Instrumentalpassagen, abrupt wechselnde Abschnitte und Sounds, die eher einen Bewusstseinszustand als eine klassische Erzählung abbildeten.
Für konkrete Veränderungen und freiere Formen im Popjahr 1966 stehen exemplarisch drei Songs „Tomorrow Never Knows“ von den Beatles, „Eight Miles High“ von den Byrds und „Good Vibrations“ von den Beach Boys. Aber auch andere Songs prägten den Klang des Jahres 1966. Ein paar davon sind in diesem zweiten Teil über das Popjahr 1966 zu hören.

 

Single-Cover

 

Die Playlist zur Sendung „Vor 60 Jahren: 1966. Teil 2. Die Songs“

Artist / Track / Album / Label

1. L.Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records /

2. The Lovin‘ Spoonful / Summer In The City / Hums of the Lovin' Spoonful / Kama Sutra

3. The Beach Boys / Good Vibrations / Good Vibrations / Capitol

4. The Rolling Stones / Paint It Black / Aftermath / Decca

5. The Byrds / Eight Miles High / Fifth Dimension / Columbia

6. The Byrds / 5D Fifth Dimension / Fifth Dimension / Columbia

7. The Beatles / Eleanor Rigby / Revolver / Parlophone, Capitol, EMI

8. The Beatles / Tomorrow Never Knows / Revolver / Parlophone, Capitol, EMI

9. Buffalo Springfield / For What It's Worth / For What It's Worth / Atco

10. Jimi Hendrix Experiece / Hey Joe / Hey Joe / Polydor

Single-Cover

11. Nancy Sinatra / These Boots Are Made for Walking / Boots / Reprise

12. Percy Sledge / When A Man Loves A Woman / When A Man Loves A Woman / Atlantic

13. The Four Tops / Reach Out I’ll Be There / Reach Out / Motown

14. Sam & Dave / Hold On, I’m Comin' / Hold On, I’m Comin' / Stax

15. The Supremes / You Can’t Hurry Love / The Supremes A' Go-Go / Motown

16. The Supremes / You Keep Me Hangin’ On / The Supremes Sing Holland–Dozier–Holland / Motown

 

Single-Cover

 

Die Sendung „Vor 60 Jahren: 1966. Teil 2. Die Songs“ ist zu hören in
- Antenne Mainz via DAB+, UKW und online streaming am Do 15.10.26 um 23 Uhr und So 18.10.26 um 22 Uhr
- Radio-Rebell. Von Fr 16. bis So 18.10.26 jeweils um 22 Uhr

 

Single-Cover

 

Der Zusammenschnitt der Sendung „Vor 60 Jahren: 1966. Teil 2. Die Songs“ ist als Podcast hier zu hören:

 

Album-Cover

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