Die Story von Bob und Uwe – Teil 2

Die Fortsetzung einer persönlichen Geschichte – zum 85. Geburtstag von Bob Dylan

Der Podcast zur Sendung

 

Bob Dylan (Photo-Graphik-Art: Gerd Coordes)

 

Info-Text zu Sendung und Podcast
In Fortsetzung der Kramladen-Sendung zum 85. Geburtstag von Bob Dylan wird in dieser Stunde der zweite Teil der „Story von Bob und Uwe“ erzählt. Das Manuskript stammt im Wesentlichen von einem befreundeten Soziologie-Professor, Jahrgang 1948, der Dylan in jungen Jahren für sich entdeckte und für den die Songs von Bob Dylan große Bedeutung hatten, weil sie eine Art Kompass waren beim Navigieren durch die Entwicklungsphasen der Adoleszenz und weit darüber hinaus. Apokalyptische Songtexte wie in „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ beeindruckten ihn zutiefst. Uwe fand damals: so aufrüttelnd müssen Lieder sein, mit klarer Aussage und packenden Bildern. Das zog ihn sofort auf Dylans Seite: Dieser Mann sang, was er fühlte – und was Uwe bewegte. Das Grundmotiv vieler der frühen Dylan-Lieder war der Konflikt der Generationen und der Rassen: die Jungen als das Gewissen der Alten wollten und sollten es besser machen, vor allem sollten sie sich nicht in die Schablonen der Alten zwängen lassen. Das war natürlich ein wichtiges Thema für den heranwachsenden Uwe. Er hatte damals nur eine dumpfe Ahnung, wie sein Leben sein sollte. Dylan brachte klar zum Ausdruck, wie es nicht sein sollte. Und wie schnell man in ein sinnentleertes, falsches Leben, in Konformität hineingeraten konnte. Uwe wusste zwar damals weder, welchen Weg er einmal gehen wollte, noch was das Leben für ihn bereithalten würde und sollte. Doch Dylan-Songs wie etwa „Subterranean Homesick Blues“ umrissen umso präziser einen Lebensweg, den Uwe gerade nicht gehen wollte.
Auch und gerade von Dylans Liebesliedern fühlt sich Uwe mehr als angesprochen. Schon früh besingt Dylan Liebesgefühle als gemischte Gefühle, in ihrer Zweischneidigkeit zwischen Anziehung und Abstoßung. Typische Wendung für Dylans Genre der Liebe/Hass Lieder ist: „I was alright til i fell in love with you“ („Mir ging es gut, bis ich mich in dich verliebt habe“).
Für einen Heranwachsenden wie Uwe, der erst solche Gefühle entdeckt, auslebt und aushalten muss, sind diese Songs zumeist sublimer Ausdruck für all das, was so sehr überwältigt und kaum in Worte gefasst werden kann.
Ein Schlüsselsong für Uwe ist „It ain’t me Babe“, bezeichnend für die Fähigkeit des jungen Dylan, die gesamte Spannweite und Ambivalenz solcher Gefühle ausdrücken zu können. So ist „It ain’t me babe“ ein Zeugnis gänzlich anderer Beziehungsgefühle: der Verfremdung und Entfremdung. Der Text handelt von der Notwendigkeit, in Liebesverhältnissen sich vom Partner auch abgrenzen zu können und abgrenzen zu müssen. Der vermeintlich vollkommenen Auflösung des Selbst im geliebten Partner kann die absolute Trennung folgen. Uwe muss dies selbst schmerzlich erleben.
Der Song „It Ain’t Me Babe“ ist für Uwe nicht nur eine klare Absage an eine Liebe, sondern auch Dylans Ausdruck seiner Verweigerung, die ihm damals zugedachten Rollen anzunehmen und sich daran auszurichten, Rollenzuschreibungen wie etwa Dylan als der zornige junge Mann des Protests oder als traditioneller Folkbarde.
Dylans Songbotschaft war für Uwe eine Deklaration der absoluten Freiheit seiner Songs als Kunst, die nicht und niemandem zu dienen oder zu gehorchen habe. Uwe konnte sich absolut mit der Aussage identifizieren: Dylan hat sich von allem emanzipiert, auch von sich selbst.
Autor der „Story von Bob und Uwe“ ist der Soziolage Uwe-Jens Walther. Redaktionelle Bearbeitung und Sendungsproduktion: Volker Rebell

 

Die essenziellen Dylan-Songs (Album-Cover)

 

Die Playlist zur Sendung „Die Story von Bob und Uwe – Teil 2“
Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Bruce Springsteen, Tracy Chapman, Sting, Peter Gabriel, Youssou N’Dour, Manolo García / Chimes Of Freedom / Human Rights Now! Tour for Amnesty International, 1988 / Columbia
3. Bob Dylan / A Hard Rain’s A-Gonna Fall / Rolling Thunder Revue, 1975 / Columbia
4. Levon Helm / Highway 61 Revisited / Great Drives, Episode 1 / Columbia
5. Bob Dylan / Highway 61 Revisited / Highway 61 Revisited / Columbia
6. Bob Dylan / Subterranean Homesick Blues / Bringing It All Back Home / Columbia
6.1 Akzent: Bob Dylan „Just like A Woman“ / Blonde On Blonde / Columbia
7. Bob Dylan / Love Minus Zero / Bringing It All Back Home / Columbia
7.1 Akzent: Leonard Cohen „Avalanche“ / Songs of Love and Hate / Columbia / 38:24
8. Bob Dylan / Idiot Wind / Blood on the Tracks / Columbia
8.1 Akzent: Bob Dylan „One Too Many Mornings“ / The Times They Are A-Changin' / Columbia
9. Bob Dylan / It Ain’t Me Babe / Another Side Of Bob Dylan / Columbia
10. Bob Dylan (live) / It Ain’t Me Babe (diverse Live-Interpretationen) / Diverse (Live von 1975, 1984, 1992, 1994 und 2025) / diverse

 

Bob Dylan Live 1978 (Photo-Grafic-Art: Gerd Coordes)

 

Die Sendung „Die Story von Bob und Uwe – Teil 2“ wird zu hören sein
in ByteFM, Antenne Mainz und Radio-Rebell (Die Sendedaten folgen)

Der Zusammenschnitt der Sendung „Die Story von Bob und Uwe – Teil 2“ ist als Podcast hier zu hören:

 

 

Buchcover: Bob Dylan "Die Philosophie des modernen Songs"

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