Das erste Popart-Album der Beatles (und der Popgeschichte) erschien vor 60 Jahren

Die innovativen Jahre der Beatles, und damit auch der Popszene insgesamt, begannen mit einem Wortspiel. Die Gummisohle (rubber sole) verballhornten die Beatles zu „Gummi Seele“. „Rubber Soul“ wurde am 3. Dezember 1965 veröffentlicht (in USA am 6.12., in Deutschland am 7.12.). Es war bereits das sechste Beatles-Album in nur zwei Jahren, aber das erste von künstlerischem Gewicht und überzeugender kreativer Kraft, das neue Türen öffnete. „Rubber Soul“ präsentierte Songs in einer neuen Qualität, was Inhalt, Form und Produktionsniveau angeht – und, für die es damals keine Entsprechung in der Popszene gab. Die Beatles demonstrierten ihre unerreichte Ausnahme- und Vormachtstellung im Pop Anno 1965 und begannen mit „Rubber Soul“ ihre innovativen und bahnbrechenden Studiojahre.
Von manchen Kritikern und Fans wird „Rubber Soul“ als das beste „Pop“-Album der Beatles eingestuft, weil es ¬– anders als die folgenden komplexeren Kunstwerke „Revolver“ und „Sgt. Pepper“ – die Einfachheit des Pop bewahrte, gleichzeitig aber diese Einfachheit in eine brillante, ambitionierte Form verpackte und dabei völlig unangestrengt und noch immer spielerisch unbekümmert klang, fast so wie in den Alben zuvor.
Die Beatles entdeckten „das Studio als Instrument, schrieben Love-Songs für Erwachsene und machten das Album zur eigenständigen Kunstform“, schrieb das Rockmagazin Rolling Stone, und weiter: „Rubber Soul“ sollte sich „als Quantensprung erweisen – nicht nur für die Beatles, sondern für die gesamte Popmusik.“ Die LP erweiterte die kreativen und künstlerischen Möglichkeiten des Mediums Pop-Album wie noch keine Platte zuvor. Sie eröffnete die bahnbrechenden Studiojahre der Beatles und gilt als Vorbote der psychedelischen Ära in der Popwelt.
John Lennon war der dominierende Songschreiber des Albums. Seine Songbeiträge zum Album „Rubber Soul“ waren durchweg exzellent: vom ätzenden Humor in „Drive My Car“, über die skurrile Liebesaffäre und irritierende Brandstiftung im Sitar-Song „Norwegian Wood“, über die anrührende Hilflosigkeit und Desorientierung im musikalisch-klanglich strahlenden „Nowhere Man“, über die Elogen auf die universelle Kraft der Liebe in „The Word“, bis zum Kniefall im Song „Girl“, eine Liebeserklärung an die Traumfrau, die zum Albtraum wird. Und dann natürlich sein kompositorisch überragendes, textlich reflektierendes Song-Meisterwerk „In My Life“, in dem er sang:
„Es gibt Orte, an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde. Auch wenn sich manche verändert haben, manche für immer und nicht zum Besseren.
Manche sind verschwunden, manche sind geblieben. All diese Orte haben ihre Momente, mit Geliebten und Freunden, an die ich mich noch immer erinnern kann.
Manche sind tot, manche leben noch. In meinem Leben habe ich sie alle geliebt.
Wenn ich auch weiß, dass die Gefühle bleiben werden für Menschen und Dinge aus der Vergangenheit. Ich weiß, ich werde oft innehalten und an sie denken. In meinem Leben liebe ich dich mehr.“
Paul McCartney steuerte nur drei Songs bei: „You Won‘t See Me“ und „I’m Looking Throug You“, in denen er die Beziehungskrise zu seiner damaligen Freundin Jane Asher thematisierte, und seine wunderschöne, musikalisch außergewöhnliche Liebesballade „Michelle“, in der zum ersten Mal in einem britischen Beat-Song französisch-sprachige Textzeilen zu hören waren – nach „Yesterday“ ein weiterer Songklassiker für die Ewigkeit von Paul McCartney.
Goerge Harrison war mit zwei beachtlichen Eigenkompositionen vertreten: „Think For Yourself“ und „If I Needed Someone“. Und sogar Ringo tauchte in den Credits auf, als Beteiligter an der Lennon/McCartney-Komposition „What Goes On“.
Auch in ihren Songarrangements und in der Instrumentierung betraten die Beatles Neuland. Zum ersten Mal hörte man bei ihnen Klänge von Sitar, Harmonium, Bass-Verzerrer und cembalo-ähnliche Klaviertöne (gespielt von Beatles-Produzent George Martin).
Das gefeierte Vorläuferalbum der Beatles „HELP!“, das nur 4 Monate zuvor veröffentlicht worden war und zwei Cover-Versionen enthielt, wurde von „Rubber Soul“, das nur mit Eigenkompositionen überzeugte, deutlich überflügelt. Was für eine qualitative Verbesserung und Weiterentwicklung in einer solch kurzen Zeit.

Die Playlist zur Sendung „Rubber Soul“ – 60
Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. The Beatles / Drive My Car / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal2
3. The Beatles / Norwegian Wood (This Bird Has Clown) / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
4. Bob Dylan / 4th Time Around / Blonde On Blonde / Columbia
5. Jacob Collier / Norwegian Wood / The Light For Days / Decca
6. The Beatles / You Won’t See Me / Rubber Soul Parlophone, EMI, Capitol, Universal
7. The Beatles / Nowhere Man / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
8. The Beatles / Think For Yourself (Rehearsal) / Beatles Chat Rubber Soul sessions (unreleased) / EMI
9. The Beatles / Think For Yourself / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
10. The Beatles / The Word / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
11. The Beatles / Michelle / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
12. The Beatles / What Goes On / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
13. The Beatles / Girl / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
14. The Beatles / In My Life / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal
15. The Beatles / I’m Looking Through You / Rubber Soul / Parlophone, EMI, Capitol, Universal

Die Sendung „Rubber Soul“ – 60 läuft in ByteFM am Do 04.12.25 um 23 Uhr und am Sa 06.12.25 um 14 Uhr,
wird von Antenne Mainz über DAB+ und UKW übertragen: am Do 04.12.25 um 23 Uhr und am So 07.12.25 um 22 Uhr
und läuft in Radio-Rebell von Fr 05.12. bis So 07.12.25 jeweils um 22 Uhr

Der Zusammenschnitt der Sendung „Rubber Soul“ – 60 ist als Podcast hier zu hören:
