Elegante Gitarrenkunst, Widersprüche, Irritationen und die Liebe zum Blues
„Ihr wisst nicht, wie viel es mir bedeutet, diese Musik in mir zu haben,
morgens, tagsüber, abends, auch in der Nacht. Ich muss es haben.“ (Eric Clapton, Spiral)
Am 30. März 2025 feiert Eric Clapton, einer der einflussreichsten Musiker unserer Zeit, seinen 80. Geburtstag. Sein Lebenswerk ist ein schillerndes Kaleidoskop aus musikalischen Stilen, persönlichen Kämpfen und Krisen, Widersprüchen und Irritationen, aber vor allem unvergleichlicher Musik, die Generationen von Fans fasziniert hat.
Mit seinem letzten Album „Meanwhile“, das 2024 veröffentlicht wurde, zeigte Clapton einmal mehr, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters nichts von seiner Kreativität und seinem musikalischen Gespür eingebüßt hat.

Mit etwa 280 Millionen weltweit verkaufter Tonträger und mit 17 Grammys und gleich dreifacher Mitgliedschaft in der renommierten Rock and Roll Hall Of Fame zählt er zu den erfolgreichsten Popkünstlern aller Zeiten. Zwischen Bluesrock und Mainstream-Pop, zwischen kraftvollen Powersongs und soften Balladen pendelt er seit Jahren und behält dabei meist ein stimmiges Gleichgewicht.
Yardbirds, Bluesbreakers, Cream, Blind Faith, usw.
Seine frühen Karrierestationen, 1963 beginnend mit den Yardbirds, dann über John Mayalls Bluesbreakers zum epochalen Trio Cream, gefolgt von der nur kurzeitig existierenden Supergruppe Blind Faith, das war die glorreiche Zeit für die meisten frühen Clapton-Fans, die ihn als begnadeten Blues-Rock-Gitarristen verehren – während sie seiner späteren Hinwendung zum Pop skeptisch oder gar ablehnend gegenüberstehen.
Doch für Clapton zählt nur die Musik, der Ausdruck, das Feeling, egal in welcher Stilform. Gilt das auch für Disco/Clubmusik?

Clapton is God even on the Dancefloor?
„Selten hat ein Dance-Track auf der Party-Insel Ibiza für so viel Wirbel gesorgt wie ‚Forever Man (How Many Times …?)‘ von den Beatchuggers feat. Eric Clapton“, ließ die Plattenfirma EMI im November 2000 verlauten. Mit ausdrücklicher Genehmigung und expliziter Zustimmung von Eric Clapton war sein Song „Forever Man“ aus dem Album „Behind The Sun“ von 1985 von einem jungen dänischen DJ zu einem Dance-House-Track für die Clubszene und Dance-Charts aufgepimpt worden – sehr zum Missfallen der Blues-Jünger unter den Clapton-Fans. Nicht erst seit diesem Ereignis „Clapton goes Ibiza-Dancefloor“ fiel der einstige Blues-Gitarrengott in Ungnade, ganz speziell bei den vielen Bluesrock- und Cream-Fans. Aus enttäuschter Liebe wurde sein Name als „Erich Klappstuhl“ verballhornt oder als „Erik Klapperton“ veralbert. Dann wurde auch noch ernsthaft vermutet, dass der Urheber des berühmten Graffitispruchs „Clapton is god“ nur ein zweites „o“ im Wort god vergessen habe.

Moralische Entrüstungen und schwere Vorwürfe
Tierfreunde entrüsteten sich darüber, dass er als passionierter Jäger auf alles ballere, was ihm auf der Pirsch vor die Flinte komme – sogar auf Tauben, die unterm Dach seines Hauses nisteten und deren Gurren in aller Frühe ihn störte. Von gänzlich anderem Kaliber war das berechtigte Entsetzen über Claptons „offenkundig rassistische Tirade in Birmingham am 5. August 1976“ (Hans Jürgen Linke). Clapton, der sich immer auf große schwarze Bluesmusiker als seine Vorbilder berufen hatte, verstieg sich während einer minutenlangen Ansage bei dem Konzert in Birmingham zu krassen rassistischen Verunglimpfungen schwarzer Musiker und relativierte seine Entgleisung später, er sei betrunken gewesen. Wörtlich sagte er – und damit sprach alle Ausländer im Publikum an: „Ich will euch weder hier in diesem Raum noch in meinem Land haben. Hört mir zu! Ich denke, wir sollten sie alle zurückschicken. Verhindern, dass Großbritannien eine schwarze Kolonie wird. Raus mit den Ausländern. Raus mit den Itakern. Schmeißt die Nigger raus. Haltet Großbritannien weiß ... Die schwarzen Kanaken und Nigger und Araber und die verdammten Jamaikaner gehören nicht hierher, wir wollen sie nicht hier haben. Dies ist England, dies ist ein weißes Land, wir wollen keine schwarzen Kanaken und Nigger hier haben.“
Merkwürdigerweise hat er sich nie unmissverständlich von seinen üblen Äußerungen damals distanziert. Sich nur zu entschuldige, er sei halt betrunken gewesen, war zu wenig. Als Kommentar zu diesem Schandfleck in Claptons Biografie schrieb der Clapton-Biograf Peter Kemper: „So bleibt, nach ausgiebiger Sichtung der Fakten und Äußerungen, nur das Konstatieren eines von Zerrissenheit und Widersprüchen gefurchten Seelenlebens“.
Eric Clapton war niemals frei von Widersprüchen, eigentlich im Gegenteil. Doch was ihm immer ungeteilt blieb, war seine Fähigkeit, als Gitarrist wie kaum ein anderer Tonfolgen von geradezu idealer Eleganz zu kreieren. Das wird bleiben.
Oder wie es der Kritiker Christian Schlüter zu seinem 70. Geburtstag formulierte: „Bei Clapton hakt und stockt kein Ton. Niemals. Bei ihm gibt es kein Zuviel, seine Soli sind durchdachte und deswegen so lässig entspannt wirkende Kompositionen. Musikalisch ist er von zeitloser Schönheit, ein Inbegriff altersloser frühvollendeter Eleganz. Ein Klassiker also, dem auch noch das Glück beschieden war, mit dem Songklassiker „Layla“ einen der berühmtesten Songs der Rockgeschichte geschaffen zu haben. Herzlichen Glückwunsch.“ Dem kann man sich nur anschließen. Denn all das gilt auch noch zu seinem 80. Geburtstag.
Die Playlist zur Sendung „Eric Clapton – zum 80. Geburtstag“
Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Eric Clapton / Spiral / I Still Do / Bushbranch, Surfdog, Universal
3. Eric Clapton / Sam Hall / Meanwhile / Bushbranch, Surfdog, Universal
4. The Yardbirds / For Your Love / For Your Love / Columbia
5. Eric Clapton & Jeff Beck / Moon River / Meanwhile / Bushbranch, Surfdog, Universal
6. Eric Clapton & Van Morrison / This Has Gotta Stop / Meanwhile / Bushbranch, Surfdog, Universal
7. Cream / White Room (Live at Oakland Coliseum) / Goodbye Tour Live 1968 / Bandcamp
8. Eric Clapton / Kind Hearted Woman Blues / Sessions For Robert J / Reprise Records
9. Beatchuggers feat. Eric Clapton / Forever Man (How Many Times?) / Forever Man / EMI
10. Derek & The Dominos / Layla / Layla and Other Assorted Love Songs / Polydor
Die Sendung „Eric Clapton – zum 80. Geburtstag“ läuft im Webradio ByteFM am, wird von Antenne Mainz über DAB+ und UKW ausgestrahlt: am 27.03.25 um 23 Uhr und am 30.03.25 um 22 Uhr – und läuft natürlich auch in Radio-Rebell vom 28. bis 31.03.25, jeweils um 22 Uhr.
Der Zusammenschnitt der Sendung „Eric Clapton – zum 80. Geburtstag“ ist als Podcast hier zu hören:
Aus dem Radio-Rebell-Archiv 1: Blog zum 75. Geburtstag von Eric Clapton:
Aus dem Radio-Rebell-Archiv 2: zum 70. Geburtstag von Eric Clapton
Playlist zum Kramladen am 26.03.3015
Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Eric Clapton / Gotta Get Over / Old Sock / Bushbranch, Universal
3. Eric Clapton feat. Mark Knopfler / Train To Nowhere / The Breeze (An Appreciation of J.J. Cale) / Polydor, Universal
4. Eric Clapton / Circus / Pilgrim / Reprise Warner
5. Eric Clapton / My Father's Eyes / Pilgrim / Reprise Warner
6. Eric Clapton / Bad Love / 24 Nights / Reprise
7. Eric Clapton / Wonderful Tonight / Slowhand / RSO
8. Cream / Crossroads / Wheels Of Fire / Polydor
9. Eric Clapton feat. Phil Collins / Crossroads / Live at The Royal Albert Hall / download
10. Eric Clapton feat. John Mayer, Sheryl Crow / Crossroads / Crossroads Guitar Festival / download
11. Eric Clapton / I've Got A Rock'n'Roll Heart / Money And Cigarettes / Duck, Warner Bros.
12. Eric Clapton / I Believe In Life / Reptile / Reprise Records –
(Hintergrundmusik : Layla, Wonderful Tonight, The A-Train - jeweils Instrumentalfassung)
Der Zusammenschnitt der Sendung vom 26.03.2025 zum 70. Geburtstag von Eric Clapton ist als Podcast hier zuhören: