Teil 2 des Porträts von John Phillips aus Anlass seines 90. Geburtstages

Auch nach dem Ende der erfolgreichen Hippie-Band The Mamas and The Papas hat deren Macher und Hauptsongschreiber John Phillips, den man in Kalifornien „Papa John“ nannte, noch etliche interessante, allerdings meist wenig erfolgreiche Musikprojekte auf den Weg gebracht. Das spektakulärste war sicher seine Zusammenarbeit mit den Rolling Stones, für deren Label „Rolling Stones Records“ John Phillips ein Soloalbum aufnehmen konnte – und zwar mit der musikalischen Unterstützung fast der kompletten Stones-Besetzung. Das Album sollte zunächst „Half Stoned“ heißen, weil viele der Songs auch tatsächlich sehr nach Aufnahme-Sessions der Stones klangen – vergleichbar mit Songs der Alben „Beggars Banquet“ und „Exile On Main St.“. Außerdem verwies der geplante Albumtitel auf den Drogennebel, der die beiden Hauptprotagonisten des Albums John Phillips und Keith Richards während der Aufnahmen stets umwaberte. Die besonders heftigen Drogenprobleme speziell von John Phillips führten dazu, dass sich die Albumeinspielung über Jahre hinzog und letztlich abgebrochen wurde. Erst kurz nach dem Tod von John Phillips wurde das Album im April 2001 unter dem neuen Titel „Pay Pack & Follow“ veröffentlicht.
An den großen Erfolg mit den Mamas & Papas konnte er als Solist nicht mehr anknüpfen
Die Solokarriere von John Phillips und dieses fast vergessene Album stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils des Porträts von John Phillips aus Anlass seines 90. Geburtstages. Aber auch seine Mitarbeit am Soundtrack zum Science-Fiction-Film „The Man Who Fell To Earth“ mit David Bowie wird thematisiert, ebenso wie sein Broadway-Musical „Man On The Moon“, das von Andy Warhol produziert wurde, aber desaströse Kritiken erhielt und bereits nach wenigen Tagen abgesetzt wurde.
Sein letztes Soloalbum „Phillips 66“ sollte zu seinem 66. Geburtstag erscheinen. Doch die Veröffentlichung hat er nicht mehr erlebt. Er starb an den Folgen seiner Drogensucht am 18. März 2001 im Alter von 65 Jahren. In einem seiner letzten Songs „Average Man“ über eine Affäre mit einer sehr viel jüngeren Frau sang er: „Ich bin fünfundsechzig, noch am Leben, und ich fühle mich großartig“.

Die Playlist zur Sendung „Papa John & die Rolling Stones“
Artist / Track / Album / Label / Zeitplan
1. L.Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records /
2. John Phillips / California Dreamin‘ / Phillips 66 / Eagle Records
3. John Phillips / April Anne / John the Wolfking of LA / Dunhill
4. John Phillips / Boys From The South / The Man Who Fell To Earth (Soundtrack) / Eagle Records
5. John Phillips / Mr. Blue / Pay Pack & Follow / Eagle, Rolling Stones Records
6. John Phillips / Zulu Warrior / Pay Pack & Follow / Eagle, Rolling Stones Records
7. John Phillips / She’s Just 14 / Pay Pack & Follow / Eagle, Rolling Stones Records

8. John Phillips / Average Man / Phillips 66 / Eagle Records
9. Geneviève Joyce Waïte / Biting My Nails / Romance Is On The Rise / Paramour Record Corporation
10. Renegade Soundwave / Biting My Nails / Modern Rock Tracks / Mute, Rhythm King
11. John Phillips / Plastic Bouquets (1975 rehearsal) / Andy Warhol Presents Man On the Moon / Warhol Factory
12. John Phillips / Me And My Uncle / Phillips 66 / Eagle Records
13. Grateful Dead / Me And My Uncle / Skull & Roses / Warner Bros
Die Sendung „Papa John & die Rolling Stones“ wird von Antenne Mainz via DAB+ und UKW ausgestrahlt am Do 04.09, 23 Uhr und So 07.09.25 um 22 Uhr – und läuft in Radio-Rebell vom 05. bis 07.09.25 jeweils um 22 Uhr.
Der Zusammenschnitt der Sendung „Papa John & die Rolling Stones“ ist als Podcast hier zu hören:

Nachwort zum Album „Pay Pack & Follow“, das in veränderter Abmischung und Songabfolge 2008 unter dem Titel "Pussycat" wiederveröffentlicht wurde
Ist das mehr als nur eine Kuriosität, dass die Rolling Stones in fast kompletter Besetzung an einem Soloalbum von John Phillips (Ex-Mamas & Papas) mitwirkten? Gemeinsam nahmen sie Mitte der siebziger Jahre Songs auf, die nach Outtakes aus berühmten Stones-Alben klangen, wie etwa „Beggars Banquet“ oder „Exile On Main St.“. John Phillips schrieb für dieses Soloalbum Country-Rock-Songs, die an den damals typischen Stones-Country-Stil angelehnt waren; er fühlte sich wie ein festes Bandmitglied der Stones und versuchte, im Tonfall von Mick Jagger zu singen. Und er, der Stones-Boss, schrieb und sang sogar einen Titel für das Album mit John Phillips zusammen: „Zulu Warrior“, ein treibender Rocksong mit perkussiver afrikanischer Rhythmik, im Grunde eine Vorwegnahme des späteren Ethno-Beats. Und Keith Richards war bei fast allen Albumtiteln mit Engagement und mit seinen charakteristischen Gitarren-Licks dabei. Doch John Phillips war wegen seiner Drogenprobleme nicht in der Lage, das Album noch zu seinen Lebzeiten fertigzustellen. Erst nach seinem Tod erschien das Album unter der Überschrift „Pay Pack & Follow“ im April 2001. Der ursprünglich geplante Albumtitel „Half Stoned“ hätte besser gepasst. Dieses musikalisch durchaus gelungene, aber letztlich doch etwas seltsame Phillips/Stones-Hybrid-Album ist kaum bekannt geworden, um nicht zu sagen, ging völlig unter. Es ist eine Entdeckung, eine Rarität und ein Unikat. Denn tatsächlich gab es das nie wieder, dass Keith Richards, Mick Jagger, Mick Taylor und Ron Wood als Begleitmusiker ein Album für einen anderen Solisten einspielten.
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