„Dies ist das Land der Grönländer, nicht das Land derer, die kamen. Wir leben hier“ (Kalaallit Nunaat)
„Dies ist das Land der Grönländer, nicht das Land derer, die kamen. Wir leben hier“, so lautet der übersetzte Refrain-Text des in der grönländischen Sprache „Kalaallisut“ gesungenen alten grönländischen Folksongs „Kalaallit Nunaat“ („Land der Menschen“), der von Sumé, der ersten Rockband Grönlands, die in ihrer Muttersprache sang, 1973 im Rockkontext populär gemacht worden war. Noch heute wird diese inoffizielle Rock-Hymne Grönlands von jungen Bands neu bearbeitet.
Grönland ist auf der Landkarte der internationalen Popszene im Grunde ein blinder Fleck. Tatsächlich finden sich in der grönländischen Szene mit Pop, Rock, Folk, HipHop, Metal, Punk, Dancefloor, Jazz, Worldmusic fast alle Genres wie überall in der Welt der populären Musik. Doch das Besondere ist, dass fast alle grönländischen Musiker ausschließlich in ihrer Landessprache singen. Die eigene Sprache ist für die Grönländer, die überwiegend von indigenen Inuit abstammen, mehr als nur identitätsstiftend. Die konsequente Verwendung der Muttersprache ist Ausdruck von Verantwortung für die Gemeinschaft und stellt die Verbindung zur eigenen Geschichte her. Selbstbewusst grönländisch zu singen ist auch als Abgrenzung zum Dänischen zu verstehen, der Sprache, die in der Kolonialzeit unter der Herrschaft Dänemarks offiziell in Grönland gesprochen werden musste. Seit 1953 ist Grönland „dekolonisiert“ und ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark.
Grönland, die größte Insel der Welt, hat – gemessen an seiner kleinen Bevölkerung von rund 56.000 Einwohnern – eine erstaunlich eigenständige und vielgestaltige Pop-, Rock- und Folkszene. Viele Künstler verbinden westliche Genres und ihre grönländische Sprache mit Inuit-Mythologie, Naturbildern und sozial-politischen Themen wie Identität, Kolonialgeschichte und Moderne versus Tradition.

Die Musikgeschichte Grönlands beginnt vor mehr als 4000 Jahren mit rituellen Trommelgesängen der Inuit-Ureinwohner. Deutsche Missionare brachten den Chorgesang nach Grönland, europäische Walfänger folgten mit Polka-Musik und Volkstänzen und US-amerikanischen Soldaten brachten während des Zweiten Weltkriegs ihre Country-Musik ins Land. Erst mit dem grönländisch-sprachigen Protestrock entwickelte sich ab den späten 60er Jahren allmählich eine eigenständige Musikszene in Grönland. Heute sind fast alle modernen Stilarten in Grönland vertreten. Auch wenn es musikalisch viele Parallelen zu den vorherrschenden westlichen Pop-Genres gibt, oft sogar Übereinstimmungen mit den Popstilen und Musikmoden der Popmetropolen, halten die grönländischen Künstler doch an ihrer eigenen Identität, der grönländischen Sprache, fest – und der Rückgriff auf die eigene Folk-Tradition ist nicht minder identitätsstiftend.
Die Playlist zur Sendung „Grönlands eigenständige Popszene“
Artist / Track / Album / Label
1. L.Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records /
2. Frederik Elsner feat Andachan / Nutaaliorpunga / Nutaaliorpunga / Atlantic Music. gl
2. Andachan / Sinilluarina / Seeyousoon / Atlantic Music. gl
3. Ivaana + Andachan / Eqqanniinnginnavit / Andachan x Ivaana / andachanmusic
4. Nive & The Deer Children / Walking / Feet First / Atlantic Music
5. Uummat / Kalaallit Nunaat / Toornat Akornanni / The Orchard Enterprises /
6. Nanook / Seqinitta Qinngorpaatit / Seqinitta Qinngorpaatit / Atlantic Music
7. Rasmus Lyberth / Erningaa / Inuuneq Oqaluttuaraangat / Atlantic Music
8. Tarrak / Taamani / FxFxS / CDBaby
9. Nive & The Deer Children / Tulugaq / Feet First / Atlantic Music
10. Frederik Elsner & Friends GL / Sinnattoraangama Takusarpagit / Hommage Karl Sivertsen / Atlantic Music
Die Sendung „Grönlands eigenständige Popszene“
- läuft in Radio-Rebell vom 23.01. bis 25.01.2026 jeweils um 22 Uhr
- wird von Antenne Mainz ausgestrahlt über DAB+ und UKW am Do 22.01.26 um 23 Uhr und am So 25.01.26 um 22 Uhr

Der Zusammenschnitt der Sendung „Grönlands eigenständige Popszene“ ist als Podcast hier zu hören: