Gerd Knebel – ein Nachruf

Neben Badesalz hatte er viele Solo-Projekte

Der Podcast zur Nachruf-Sendung

Gerd Knebel (Foto: Markus Gruber)

 

Er gehörte zu den kreativsten und produktivsten Comedians und Musikern der Republik. Sein teils anarchischer, teils provozierender Humor, seine Karikaturen von Schlappmaul-Schwätzern, hilflosen Hirnis und dabbischen Drecksäcken und seine zeitlosen Sprüche wie „Was mer hat, des hat mer – hat mer’s net, dann fehlt’s ahm“ und alle seine Badesalz-Sketche mit seinem kongenialen Partner Henni Nachtsheim sind legendär. Aber seine musikalischen Soloprojekte und -Alben blieben meist unter dem Radar der Pop- und Comedy-Öffentlichkeit. Ganz anders als in den Musikstücken der Badesalz-Shows, schlug Gerd Knebel solo die härtere Gangart an, nicht selten eine brachiale. Was für alle seine überwiegend heftig rockenden Solobands/Soloprojekte galt, war ihre relativ kurze Halbwertszeit. Nicht dass er sich schnell langweilte mit einem neuen Band-Projekt, sein unruhiger kreativer Geist trieb ihn immer weiter. Irgendwann sagte er einmal, er würde sich so gern mal auf einer Bank an einen See setzten und einfach nur den Enten zusehen. Aber in seinem Kopf würde sofort ein verrückter Ententanz einsetzen und Mengen an Ideen würden sein Hirn fluten. Das wird wohl das Geheimnis seiner ungebremsten Kreativität gewesen sein.
Neben seinen Badesalz-Aktivitäten war er mit Solo-Bühnen-Programmen unterwegs, veröffentlichte zwei Bücher „Wörld of Drecksäck – Kleine, nette, böse, fiese, liebe Gedanken“ (2018), „Freundschaft im Abseits“ (2024) und produzierte eine Flut von Soloalben und Bandprojekten.

 

Die Netten Rabenväter (CD-Cover)

 

Die Groben Junggesellen, Die Netten Rabenväter, Angst vor Clowns, Giftdwarf, Dirty Dabbes, The Knebells, Insoulin, Gerdo Sintrenza, Los Sintrezas und Lavazungen. Das alles waren Soloprojekte, die er neben seinem Hauptjob, dem ungemein erfolgreichen hessischen Comedy-Duo Badesalz an den Start gebracht hatte.
Los ging es 2005 mit seiner Rockband Die Groben Junggesellen, im Grunde eine Fortsetzung der hessischen Kult-Rockband Flatsch! (1979 – 1988), mit der Gerd Knebel als Sänger, Songtexter und charismatischer Frontman den Grundstein legte, für alles, was für ihn noch kommen sollte. Schon bei Flatsch! war er der irisierende Spaßvogel und drastisch-witzige Songtexter. Mit ihrer explosiven Bühnenshow zwischen Comedy und Power-Rock, absurden Sketchen und ausgefeilten Songarrangements war Flatsch! eine der einflussreichsten deutschsprachigen Rockbands aus Hessen. Mit den Flatsch-Gründungsmitgliedern Olaf Mill und Sepp’l Niemeyer hat Gerd Knebel auch in späteren Projekten noch zusammengearbeitet.

 

Flatsch! (Cover)

 

2007 gründete er zusammen mit dem Metal-Gitarristen Aren Emirze von der Noise-Rockband Harmful die Hardrock-Band Angst vor Clowns und sang deutschsprachige Lied-Kracher wie „Metalbub“ und „Total Verrückt“. 2010 ging es weiter mit seinem Duo Die Netten Rabenväter mit Olaf Mill (Ex-Flatsch!), gefolgt 2011 von seiner Metal-Band Giftdwarf. Wie der Name, so klang auch die Musik: Giftzwergen-Metal.
Anschließend folgte 2016 die gemäßigter rockende Produktion The Knebells, die Geschichte einer fiktiven englischen Band, die von nach England ausgewanderten Mitgliedern der deutschen Großfamilie Knebel in der Grafschaft Kent gegründet wurde. Der Frontmann Gerd Knebel sang wieder witzige, satirische, brillante Rock-Songs über „Dicke Mütter“ und „Landmädchen“. Ein großartiges Album, aber kaum jemand hörte hin. Noch weniger wurde Notiz genommen vom nächsten Knebel-Projekt Dirty Dabbes und der 2018 mit dem Rapper Mädness Döll eingespielten CD „Putzintensiv“. Anschließend gründete er das Trio Insoulin, hatte große Pläne auch mit Live-Auftritten. Dann kam Corona.

 

Gerdo Sintrenza (Quelle: www.badesalz.de/gerd-knebel)

 

Während der Pandemie verwandelte sich Gerd Knebel in Gerdo Sintrenza, sang plötzlich spanisch z.B. über „Babuchas De Seda Granate“ (kastanienbraune Seidenpantoffel) und „Basura“ (Müll). Er hob sein Duo Las Sintrenzas aus der Taufe und wollte 2025 auf Tour gehen. Doch seine Krebserkrankung lies das nicht mehr zu. Gerd Knebel starb am 24. Januar im Alter von 72 Jahren.
Langjährige Weggefährten von ihm kommen in dieser Kramladen-Ausgabe zu Wort: Ali Neander (Rodgau Monotones), Detlef Kinsler (Musikjournalist), Volker Pietzsch (Radio Badesalz-Produzent) und Jochen Hasmanis (Badesalz-Film/Video-Produzent). Ausschnitte aus Interviews mit Gerd Knebel werden zu hören sein und viele Songs aus seinen völlig unterbewerteten Soloalben.

 

Gerd Knebel (Quelle: www.badesalz.de/gerd-knebel)

 

Die Playlist zur Sendung „Gerd Knebel – ein Nachruf“

Artist / Track / Album / Label
1. L. Shankar / Darlene (Kramladen-Themamusik) / Touch Me There / Zappa Records
2. Gerdo Sintrenza / Metallica / Babuchas De Seda Granate / Frau Batz Records, Indigo
3. The Knebells / Rockstar / The Knebells / Frau Batz Records
4. The Knebells / Was ist los mit dir? / The Knebells / Frau Batz Records
5. Flatsch! / Kaufhaus / Was mer hat des hat mer / Rockport Records
6. Die Groben Junggesellen / Sag doch mal Au / Schöne Frauen kotzen Blumen / Tonstudio Bieber

 

Dirty Dabbes (Cover)

7. Dirty Dabbes / But My Mudder / Putzintensiv / Frau Batz Records
8. The Hotz / Raindrops With Sherrytaste / The Hotz / Sony Music
9. Angst vor Clowns / Bügellied / Angst vor Clowns / Blunoise, Alive
10. Angst vor Clowns / Eigentlich Gitarre / Angst vor Clowns / Blunoise, Alive
11. Angst vor Clowns / Eigentlich Klavier / Angst vor Clowns / Blunoise, Alive

 

Angst vor Clowns (Cover)

 

Die Sendung „Gerd Knebel – ein Nachruf“ ist wann und wo zu hören?:
- in ByteFM am Do 29.01.26 um 23 Uhr und am Sa 31.01.26 um 14 Uhr
- in Antenne Mainz am Do 29.01.26 um 23 Uhr und am So 01.02.26 um 22 Uhr
- in Radio-Rebell vom Fr 30. bis So 01.02.26, jeweils um 22 Uhr

 

Gerd Knebel (Quelle: www.badesalz.de/gerd-knebel)

 

Der Zusammenschnitt der Sendung „Gerd Knebel – ein Nachruf“ ist als Podcast hier zu hören:

 

 

Badesalz 02 (fcm)
(Gerd Knebel, Henni Nachtsheim in der "Badesalz"-Show "Dö Chefs!". 2016)

1 reply added

  1. Ha-Jo 30.01.2026 Antworten

    Hallo Volker,

    de Gerd ist tot….was soll ich sagen…ich bin geschockt.
    So ein genialer Musiker und kreativer Kopf !!!
    R.I.P. Gerd
    ….und schau immer mal wieder runner uff de Henni, dass der noch lange weitermacht
    Liebe Grüsse Ha-Jo

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