Engländer

Erstsendung am 24.05.2012

Artist Track Album Label
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records
2. Bellowhead A-Begging I Will Go Hedonism Navigator Records , PIAS Rough Trade
3. Pink Floyd Time The Dark Side Of The Moon EMI
4. James Blake & Bon Iver Fall Creek Boys Choir Enough Thunder Universal
5. Chris Farlowe Out Of Time Rare Trax Immediate Rec.
6. John Lennon I’m The Greatest Anthology CD2 New York City Capitol Records
7. Kaiser Chiefs When All Is Quiet The Future Is Medieval Universal
8. Bombay Bicycle Club Favourite Day A Different Kind Of Fix Universal
9. The Police Tea In The Sahara Greatest Hits A&M Records
10. Alex Clare Love You The Lateness Of The Hour Universal
11. Afrocelts Green (Hintergrundmusik) Seed RealWorld, Virgin

Britannia rule the world?
Zur Feier des 60. Thronjubiläums der Queen kündigt man in England mit typischem britischem Understatement „die größte Freiluftparty der Welt“ an. Ende Juli beginnen in London die Olympischen Spiele, die schon im Vorhinein mit der bekannten britischen Bescheidenheit in der englischen Presse als „die größten Spiele aller Zeiten“ bezeichnet werden. Sonst noch was Gigantisches aus dem United Kingdom zu vermelden? Of course indeed: am 18. Juni wird der reichste und erfolgreichste Popmusiker des Universums, der ewige Beatle Paul McCartney, 70 Jahre alt. Und der Londoner Fußballclub FC Chelsea gewann (völlig unverdient, aber regulär) das Champions-League-Finale gegen Bayern München im Elfmeterschießen. Britannia rules the world – zumindest in diesen Wochen. Grund genug, sich mit dem Volk der notorischen Linksfahrer, Teetrinker und Exzentriker mal wieder eindringlich zu beschäftigen.
„Queenig & spleenig?! – Wie die Engländer ticken“, so heißt ein amüsantes neues Buch, das die in Hamburg lebende Engländerin Nina Puri geschrieben hat. Ihre Landsleute nimmt sie mit spitzer Feder und trockenem englischem Humor aufs Korn: „Was ist das für ein wundersames Volk, das Flipflops im Schnee und Socken im Bett trägt?“ Über „das Land voller Gegensätze“ heißt es: „ Es ist eine Todsünde, sich in einer Schlange vorzudrängeln, aber ganz normal, Fußballfans im falschen Trikot mit Baseballschlägern niederzuknüppeln. Schulkinder stehen in Schlips und Kragen aufgereiht bei der Morgenandacht, Urlauber mit Tatoos und Stringtangas kübeln grölend in die Gullis.“ Das 190-Seiten-Büchlein aus dem Verlag Langenscheidt Entertainment will „alle Facetten der Einwohner des lustigen Landes jenseits des Ärmelkanals“ zeigen: „von Humor und Höflichkeit über Mode und Politik bis hin zu Essen und Fußball.“ Das Thema britische Popmusik wird zwar auch behandelt, ist aber nur ein Thema am Rande. Über die schrillen Pop-Exzentriker, die durchgeknallten schrägen Vögel und spleenigen Selbstdarsteller in der britischen Popszene erfährt man leider nichts. Wo doch das Geschichtsbuch des britischen Pop einige Schrulligkeiten und Absonderlichkeiten bereit hält: von P.J. Proby, zu dessen Bühnenshow das Aufplatzen seiner hautengen Hosen im Schritt gehörte, über die Brillen-Marotte von Elton John, bis hin zum Popduo The KLF, das Geldscheine im Wert von einer Million Pfund verbrannte.
Der Kramladen sinniert über Engländer mit und ohne Hau und hört Musik von Briten mit und ohne Schrullen. Fazit: Das Land von Queen, Monty Python und Engelbert Humperdinck, dem heute 76-jährigen, aktuellen Vertreter des Vereinigten Königreichs beim Song Contest in Baku, ist immer eine Reise wert.
„Gern würd’ ich nach England gehn, / Wären dort nicht Kohlendämpfe Und Engländer – schon ihr Duft / Gibt Erbrechen mir und Krämpfe.“
„In der Tat, aus jedem Engländer entwickelt sich ein gewisses Gas: die tödliche Stickluft der Langeweile.“
(schrieb Heinrich Heine, der England im Jahre 1828 bereiste)

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