Joni Mitchell

Albumcover: Joni Mitchell "Ladies Of The Canyon"
Albumcover: Joni Mitchell "Ladies Of The Canyon"

Joni die Große, zum 70. Geburtstag von Joni Mitchell

Erstsendung am 07.11.2013

Artist Track Album Label Zeitplan
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records 00:43
2. Joni Mitchell feat. Peter Gabriel My Secret Place Chalk Mark In A Rainstorm Reprise Records 02:04
3. Joni Mitchell The Beat Of Black Wings Chalk Mark In A Rainstorm Reprise Records 08:49
4. Janet Jackson The Beat Of Black Wings Joni Mitchell Tribute Compilation (1999) Reprise Records 15:47
5. Janet Jackson Got ‘Til It’s Gone The Velvet Rope Virgin 19:55
6. Montage: Janet Jackson, Joni Mitchell, Counting Crowes Big Yellow Taxi diverse diverse 22:00
7. Joni Mitchell Both Sides Now Clouds (1969), Both Sides Now (2000) Reprise 28:03
8. Joni Mitchell Love Puts On A New Face Taming Tiger Reprise 34:38
9. Joni Mitchell Shine Shine Hearmusic, Universal 42:26
10. Joni Mitchell If Shine Hearmusic, Universal 49:43
11. Herbie Hancock, feat. Norah Jones, Tina Turner, Leonard Cohen, Joni Mitchell Montage diverser Songausschnitte River – The Joni Letters Verve, Universal 57:15
. Joni Mitchell One Week Last Summer (Hintergrundmusik) Shine Hearmusic, Universal Unter den letzten Mod.
. Ulli Bögershaus Both Sides Now (Hintergrundmusik) Crimson Laika Records Unter den ersten Mod.

Joni die Große
Zum 70. Geburtstag von Joni Mitchell am 07.11.
„Sie asphaltierten das Paradies und machten einen Parkplatz daraus“, – alleine wegen dieser Songzeile (aus „Big Yellow Taxi“ von 1970) hatte sie sich einen Ehrenplatz im Songbook der Popgeschichte gesichert. Sie schrieb die definitive Woodstock-Hymne, und – mit „Both Sides Now“ von 1967 – das meistinterpretierte Lied, das je von einer Folk-Sängerin komponiert wurde. Sie war es, die das Singersongwriter-Genre mit der Ausdrucksfreiheit des Jazz verband und sie war die erste Songautorin, die nicht nur gereimte Lyrik, sondern auch Prosatexte von literarischer Qualität wie selbstverständlich in eine populäre Liedform brachte. Mehrere Generationen von singenden Songschreiberinnen hat sie nachhaltig beeinflusst. Nicht nur Suzanne Vega, Tori Amos, Sarah McLachlan, Melissa Etheridge und sogar Madonna nennen sie als Vorbild. Auch in der jüngeren Generation berufen sich erstaunlich viele Sängerinnen und Songschreiberinnen auf Joni die Große, um nur Laura Marling, Agnes Obel oder Lucy Rose zu nennen. Joni Mitchell ist fraglos die wichtigste Singersongwriterin der populären Musik. Alle 20 Alben, die bis 2002 von ihr erschienen sind, tragen ihre unverwechselbare Handschrift und gehören in der überwiegenden Zahl zu den Referenzwerken der Songschreiber-Zunft.
Was kaum noch für möglich gehalten wurde – weil sie noch 2006 bestätigte, ihr Rückzug aus dem Musikbusiness sei endgültig – war dann doch noch geschehen: Joni Mitchell veröffentlichte im September 2007 ein weiteres, ihr bis dato letztes Album unter dem Titel „Shine“. „Wenn ich in den Himmel komme und dort ist es nicht so schön wie hier, dann springe ich von meiner Wolke und komme sofort wieder zurück in dieses himmlische Paradies“, dies lässt Joni Mitchell ihren Nachbarn sagen im Text ihres Songs „This Place“, einem rhythmisch komplexen, aber in der musikalischen Ausstrahlung entspannten, fast heiteren Folksong mit countryesker Pedal Steel Guitar und elegischem Sopransaxophon. Joni Mitchell singt hier auf ihre unvergleichliche Art einen lyrischen Prosatext über ein schönes Fleckchen Erde, wo sie sich heimisch fühlt. Doch das kleine Naturparadies wird von den Geschäftemachern einer anrückenden Bergbaufirma gefährdet. Mit diesem Song scheint sich ein Kreis geschlossen zu haben, wenn man sich erinnert an die Zerstörung eines paradiesischen Biotops im Songtext „Big Yellow Taxi“ von 1970.
Auch in anderen Songs des letzten Albums „Shine“ verbindet sie Poesie und Zeitkritik so überzeugend, wie es nur großen Künstlern gelingt. Dass dieses unerwartete Album überhaupt zustande kam, liegt an einem kanadischen Ballett-Projekt, für das Joni Mitchell eigene Songs aus ihrem reichhaltigen Repertoire zusammenstellen sollte. Statt alte Songs auszuwählen, schrieb sie kurzerhand neue für das Ballett. Und weil sie nun schon mal dabei war, produzierte sie gleich Song-Material für ein ganzes Album. „Shine“ scheint so etwas wie ihr musikalisches Testament zu bleiben.
Zeitgleich erschien ein Tribute-Album von Herbie Hancock: „River – The Joni Letters“ – mit naturgemäß jazzigen Neuinterpretationen von großen Joni Mitchell-Songs, aufgenommen mit Gastsängern wie Leonard Cohen, Norah Jones, Tina Turner und: Joni Mitchell.
Nach ihrem letzten, großartigen Album „Shine“ schien Joni Mitchell mehr oder weniger verstummt zu sein. Neben Stimmproblemen hatte sie vor allem mit einer mysteriösen, bislang unheilbaren Hautkrankheit „Morgellons Syndrom“ zu kämpfen. In einem Interview mit der Los Angeles Times vom 22. April 2010 zeigte sich Joni Mitchell davon überzeugt, dass sie die Krankheit überwinden werde. Im Juni dieses Jahres trat Joni Mitchel beim Luminato Festival in Toronto auf, allerdings nicht als Sängerin. Sie rezitierte ein von ihr neu geschriebenes Gedicht „This Rain“. Im Juli kündigte sie an, sie werde an einem neuen Ballett arbeiten.
Ihre Gesangsstimme hat man schon lange nicht mehr live gehört und wird man womöglich auch nie wieder hören können. Doch als Künstlerin wird sie hoffentlich nicht so bald verstummen.
Aus Anlass ihres 70. Geburtstages feiert der Kramladen die wunderbaren Songs der einzigartigen Joni Mitchell.

 

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