Streetfighting Men 1968

London, Hyde Park-Konzert The Rolling Stones, 5. Juli 1969
London, Hyde Park-Konzert The Rolling Stones, 5. Juli 1969

Streetfighting Men im Frühjahr 1968

Erstsendung: 05.04.2018

Kurzer Sendungstext:
Vor 50 Jahren: „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ und die Folgen: Revolte im Frühjahr 68. oder: „You say you want a revolution. But what can a poor boy do …?“ – Die 68er. Zwischen Revolution und Party. Bericht eines Zeitzeugen.

Vor 50 Jahren: „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ und die Folgen: Revolte im Frühjahr 68. oder: „You say you want a revolution. But what can a poor boy do …?“ – Die 68er. Zwischen Revolution und Party. Bericht eines Zeitzeugen.
Frühjahr 1968: In den Kinos läuft „Zur Sache Schätzchen“ mit Uschi Glas und Werner Enke, außerdem Oswalt Kolles Aufklärungsfilm „Das Wunder der Liebe“. Die Zeitschrift Konkret wirbt für ihre jüngste Ausgabe mit Texten von Ulrike Marie Meinhof. 16. März: Massaker von My-Lai in Vietnam. US-GIs ermorden 504 Zivilisten. 17. März: Die Anti-Vietnamkrieg-Demo vor der US-Botschaft in London eskaliert in eine Schlacht mit der Polizei (Mick Jagger schreibt anschließend „Streetfighting Man“). 2. April: Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt unter Beteiligung der späteren RAF-Mitglieder Andreas Baader und Gudrun Ensslin. 4. April: Martin Luther King wird in Memphis ermordet. 12. – 15. April: Studentenunruhen in Frankfurt, Hamburg und Berlin nach Attentat auf Rudi Dutschke.
Vom Wasserwerfer bis auf die Haut durchnässt, fühlte sich der kleine Rebell als wäre er nun zum Straßenkämpfer getauft worden. Und der erste – leichte – Hieb, den er vom Knüppel eines Polizisten einstecken musste, war für ihn wie ein Ritterschlag. Jetzt gehörte er dazu. Jetzt war seine Wut auch durch das persönliche Getroffen-sein gerechtfertigt. Er beteiligte sich am Barrikadenbau vor der Frankfurter Societäts-Druckerei. Es galt, die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern. Die Springerpresse – und allen voran die Bild-Zeitung – hatte seit Wochen gegen den Studentenführer Rudi Dutschke gehetzt. Und fast folgerichtig war es jetzt passiert. Ein Hilfsarbeiter hatte Dutschke, „das Kommunistenschwein“ (O-Ton des Attentäters Josef Bachmann), am Gründonnerstag, dem 11. April 1968 mit drei Schüssen lebensgefährlich verletzt. Elf Jahre später sollte Rudi Dutschke an den Folgen des Attentats sterben.
Allen, die sich zur Studentenbewegung zählten, oder mit ihr sympathisierten, war klar, dass die Hetze der Bild-Zeitung für die Fast-Ermordung des Studentenführers mitverantwortlich war. Also gingen tags drauf, am Karfreitag vor 50 Jahren, Hunderte von Studenten und jungen Leuten spontan auf die Straße und versuchten, die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern. An der sachbeschädigenden Protestaktion, einen Bauwagen vor die Ausfahrt der Druckerei zu schieben und umzustürzen, hatte sich der kleine Rebell noch beteiligt, doch als Protestler versuchten, den Bauwagen anzuzünden, da wurde ihm zum ersten Mal mulmig. Dann beteiligte er sich an einer Sitzblockade – und traute seinen Augen nicht. Berittene Polizisten gallopierten auf die Demonstranten zu und ritten in die Menge hinein. Alle schrieen und stürmten in Panik auseinander.
Dieses schockierende Erlebnis, das von der Polizei später abgestritten und von der konservativen örtlichen Presse bewusst falsch dargestellt wurde, sollte die aktive Karriere des rebellischen „Street Fighting Man“ bald beenden.
Aber an den sit-ins, be-ins, teach-ins und love-ins jener Tage beteiligte er sich mit großem Interesse. Was sich in dieser Zeit an kreativer Freiheit, spontanen Begegnungen, neuen Lebensentwürfen, sexueller Freizügigkeit und mentalen Erkenntniszuwächsen herauskristallisierte, entwickelte eine Dynamik, die das Gefühl erzeugte, alles sei möglich. Und tatsächlich war vor 50 Jahren in dieser Aufbruchsphase der Jugendkultur fast alles machbar. Auch die schöpferisch geradezu explodierende Musikszene des Jahres ’68 machte die neuen Freiräume hörbar. Neue Bands wie Love, Spirit, The Doors, Cream, Steppenwolf, Jimi Hendrix Experience, Iron Butterfly, Vanilla Fudge, Captain Beefheart, The Mothers Of Invention u.a. prägten den geradezu revolutionären Sound vor 50 Jahren.
Der Kramladen erzählt wahre Begebenheiten vom Frühjahr 1968 und lässt den Sound jener Zeit Revue passieren.
Was damals in der Luft lag, das fasste die Gruppe Love im Titel ihres Albums vom März 1968 so zusammen: „Forever Changes“.

Playlist

Artist Track Album Label Zeitplan
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records 00:43
2. Reel Big Fish Will The Revolution Come Monkeys For Nothin And The Chimps For Free Rykodisk 02:59
3. The Zombies Time Of The Season Odessey and Oracle CBS 08:40
4. The Byrds I Wasn’t Born To Follow The Notorious Byrd Brothers Columbia Records 12:55
5. Love with Artur Lee Maybe The People Would Be The Times Or Between Clark And Hilldale The Forever Changes Concert Snapper Music 16:56
6. Wolf Biermann Drei Kugeln auf Rudi Dutschke Warte nicht auf bessre Zeiten CBS 24:02
7. Steppenwolf Born To Be wild Steppenwolf ABC Dunhill 28:16
8. Big Brother And The Holding Company feat. Janis Joplin Down On Me Big Brother And The Holding Company Columbia 34:36
9. The Doors Strange Days Strange Days Elektra Records 38:16
10. Jimi Hendrix Are You Experienced Are You Experienced Polydor 43:13
11. The Rolling Stones Streetfighting Man Forty Licks Virgin 48:11
12. The Beatles Revolution The Beatles Apple, EMI 53:09
13. Spirit Fresh Garbage Time Circle SPV 57:59

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