„Sammelleidenschaft und Sammelwut“, oder: „Was hat David Bowie mit einem Feldhamster zu tun?“

Vom Glück des Sammlers und vom Unglück des zwanghaften (pathologischen) Hortens

Sa 11.04.2026, 19 Uhr, Rebell(i)sche Studiobühne, Biebererstr. 145A, Hinterhaus, 63071 Offenbach:
„Sammelleidenschaft und Sammelwut“- ein Abend über unser aller Neigung, etwas zu sammeln, was uns freut – was aber auch zum Problem werden kann. Eine Performance mit Musik, Bildern, Videos, Texten – von und mit Gunta Saul und Volker Rebell
Eintritt: € 10,- [Ticketgebühr € 1,35] (Ticket kaufen: siehe unten, roter Button)
Oder: Ticket/Sitzplatz verbindlich reservieren und an der Abendkasse zahlen, Infos s.u.

Sammeln und/oder Horten – ein Thema in drei Teilen
Teil 1: Glück (und Manie) des Sammlers
Teil 2: Wenn die Sammlerleidenschaft Leiden schafft und umkippt in Sammelwut und pathologisches Horten
Teil 3: Lösungsangebote und Workshop-ähnliche Aktionen mit dem Publikum
Wann ist eine Sammlung vollständig? Wenn x die Anzahl ist, die der leidenschaftliche Sammler bereits hat, scheint die Gleichung für die perfekte Menge der Sammlungsobjekte immer diese zu sein: x+1.
Sammeln und Vorräte anlegen ist nicht nur für das Eichhörnchen typisch. Das Hamstern gehört nicht nur zur Eigenheit des Feldhamsters. Das Sammler-Gen ist Teil unser aller DNA. Vorsorgen für schlechtere Zeiten. Das ist ein Gebot für alle, die schon unter Entbehrungen oder einem konkreten Mangel leiden mussten. Das ist ein durchaus aktuelles Thema. Und das nicht, weil Putin oder eine andere Katastrophe ganz Offenbach-Bieber bedrohen und von der Außenwelt abschneiden könnte, sondern weil ein Stromausfall für mehrere Tage das gewohnte Leben plötzlich massiv einschränkt – wie kürzlich in Berlin nach einem Anschlag passiert.
Also vorbereitet sein. Aber: Vorräte anlegen für einen Blackout (Taschenlampen, Kerzen, Streichhölzer, Batterien etc), oder für einen länger andauernden Notfall (2 l Wasser pro Person/Tag, Reis, Nudeln, Konserven, Campingkocher, Hygieneartikel, Medikamente usw.) das hat mit dem Sammeln, das uns hier beschäftigt, nicht viel zu tun.

Wer sammelt? Jeder und jede! Was wird gesammelt? Alles.
Wir sammeln alle irgendetwas – und wenn es nur schöne Stunden sind. Früher (und zum Teil auch heute noch) sammelte man Briefmarken, Bierdeckel, Münzen, Urlaubsfotos, Postkarten, Muscheln, Schallplatten, Autogramme, Bücher, Zuckerwürfelverpackungen, Rabattmarken oder Kerben im Gürtel.
Heute sammelt man Daten, Likes, Social-Media-Follower, die täglichen Schritte im Pedometer, Bonuspunkte in der App, Goldbarren (wer sich’s leisten kann), seltene Labubus, Weinflaschen (mit Inhalt) usw. Die Generation Z sammelt Wissen durch Tutorials, Yoga-Videos und interaktive Lernplattformen. Aber auch Vintage-Mode aus dem Second-Hand-Laden wird gerne angehäuft – und immer noch: Fan-Artikel.

Auch Pop/Rock-Stars sind leidenschaftliche Sammler
Brian May (Queen) sammelt Starwars-Figuren. Neil Young sammelt Straßenkreuzer-Oldtimer. Taylor Swift sammelt Schneekugeln. Elton John ist berühmt für seine riesige Kollektion an Brillen. David Bowie sammelte alles, was mit ihm zu tun hatte. Insgesamt 90.000 Objekte/Artefakte sind seit September 2025 im Bowie-Centre in London ausgestellt, usw. (mehr dazu am 11.04.)
Warum sammeln Musiker/Musikerinnen?
„Ich bin sehr daran interessiert, Listen zu erstellen und gesammelte Dinge in Kategorien einzuteilen“ (David Byrne).
„Mein Interesse gilt sowohl ‚Klang als auch Musik‘. Ich habe viele Feldaufnahmen gemacht und auch viele seltsame Geräusche gesammelt.“ (Ryuichi Sakamoto, †28.03.2023)
„Ein Teil meines Gehirns ist darauf ausgerichtet, Songs zu komponieren, und ich weiß, dass mein Gehirn ständig Dinge sammelt, und ich weiß, dass sie herauskommen, wenn ich einen Moment für mich habe“ (Jeff Tweedy, Wilco).
„Wenn man einmal anfängt, Schallplatten zu sammeln, lernt man immer mehr über Jazz und Blues.“ (John Mayall, †22.07.2024)
usw. (mehr dazu am 11.04.)

Songs zum Thema Sammeln
„Badges, Posters, Stickers, T-Shirts“ von Dire Straits
„Ich sammle Pilze (aber nicht im Wald)“ von Felicitas Funghi
„LPs“ (I caught the disease for LPs) von Jeffrey Lewis & the Voltage
„(I’ve got) Too Much Stuff“ von Dean Friedman
„Index“ (I collect anything I find) von Steven Wilson
„Hoarding Disorder“ (pathologisches Horten) von der Band Please
usw.
Diese und andere Musiktitel zum Thema werden am 11.04. zu hören sein.
(Volkers Beitrag zum Thema und zum ersten Teil des Abends)

Guntas Beitrag zum Thema und zum zweiten und dritten Teil des Abends:
Wer kennt es nicht?
Der Kleiderschrank ist voll, ins Bücherregal passt kein Buch mehr rein und im Keller müsste auch mal jemand aufräumen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Dinge sich ganz von selber ansammeln. Aber wir sind es natürlich selbst, die sammeln und horten.
An diesem Abend hören wir von glücklichen Sammlern, von Kindern die mit Begeisterung sammeln, aber auch von Menschen, die ihrer Sachen nicht mehr Herr werden und Hilfe brauchen.

Wir stellen Therapien vor, die das pathologische Horten behandeln und beschäftigen uns mit den Hintergründen, warum sich jemand von seinen Sachen nicht trennen kann und was es bedeutet, sich mit Erinnerungsstücken zu umgeben.
Und wir erfahren: Sammeln muss man sich leisten können. Das beweist ein Blick auf die Sammlungen berühmter Menschen angefangen von Johann Wolfgang von Goethe und Sigmund Freud bis zu Andy Warhol und David Bowie.
Fast alle Gegenstände eignen sich dazu, gesammelt zu werden: das können Briefmarken sein (heute eher selten) oder Bücher – immer noch relevant – oder auch Gießkannen in Gießen und Homburger-Hüte in Bad Homburg. Beliebt sind Schallplatten und Fan-Artikel aus den Bereichen Rock und Pop.

Mit Glück und Ausdauer kann ein Museum oder Archiv daraus werden, entweder in öffentlicher oder privater Hand.
Was aber tun, wenn man diese Möglichkeit nicht hat? Wo können Kleider, Möbel, Bücher und viele andere Dinge einen neuen Platz finden? Auch damit beschäftigen wir uns an diesem Abend.
Wer möchte, kann gern ein Stück aus seiner eigenen Sammlung mitbringen.



