Ian Anderson

Ian Anderson (Foto: commons wikimedia)
Ian Anderson (Foto: commons wikimedia)

Too old to Rock’n’Roll? – zum 70. Geburtstag von Mister Jethro Tull Ian Anderson – Teil 1

Erstsendung: 10.08.2017

„Too old to Rock’n’Roll“? Ian Anderson der Rattenfänger des Rock wird 70.
Seine Querflöte, das storchenähnlich angewinkelte Spielbein, der antiquierte Frack, und seine grimassierende, wild gestikulierende Show, das waren von Anfang an die Markenzeichen von Ian Anderson und damit auch von Jethro Tull. Denn der Sänger, Songkomponist, Texter, Arrangeur, Produzent und Querflötist Ian Anderson war seit der Bandgründung 1967 nicht nur der Kopf und Frontman von Jethro Tull, er war der Chef, der absolute Monarch – und für den Rest blieb nur die mehr oder weniger austauschbare Rolle der Begleitband. Der hochbegabte, ehemalige Kunststudent Ian Anderson war es aber auch, der seiner Band ein unverwechselbares Image verlieh. Das Bild vom flötespielenden, auf einem Bein stehenden „Blues-Raben Hans Huckebein“, das Bild vom Rock-Hofnarren mit den rollenden Augen und wirren Gebärden ging um die Welt und prägte sich ein als das Logo von Jethro Tull. Seine von Grunz- und Balzlauten begleitete Überblastechnik beim Spiel der Querflöte, sein individueller, mit Schnörkeln versehener Gesangsstil, seine Kompositionen, die altenglische Burlesken, Music Hall-Zitate und progressive Artrock-Elemente souverän verbanden, dies alles war einzigartig in der Rockmusik der frühen 1970er Jahre, als Ian Anderson im Zenit seiner Kreativität herausragende Konzeptalben wie „Aqualung“ und „Thick As A Brick“ mit Jethro Tull produzierte. Der Albumtitel „Living in the Past” von 1972 blieb typisch für die Musik von Ian Anderson’s Jethro Tull bis heute. Natürlich hat er unter seinem Namen auch Soloalben veröffentlicht: vom Synthesizer dominierten Album „Walk Into Light“ (1983), über das klassisch orientierte Album mit religiöser Thematik von 1995 „Divinities: Twelve Dances With God“, über das hoch gelobte Naturepos „The Secret Language Of Birds“ (2000), bis zum Konzeptalbum „Homo Erraticus“ von 2014. Letzteres konnte in Deutschland immerhin Platz 13 der Albumcharts erreichen.
Erfolgreicher waren über die Jahrzehnte natürlich die Alben, die er mit seiner Haus- und Hofband Jethro Tull eingespielt hatte. Vor 50 Jahren in Blackpool gegründet, endete die Bandgeschichte 2014, als Ian Anderson verkündete, dass er nicht mehr unter dem Namen „Jethro Tull“ auftreten werde. Was ihn natürlich nicht davon abhält, nach wie vor deren großes Songrepertoire live aufzuführen. Denn er ist ja noch immer mit seinem „Best-of-Jethro Tull“-Programm „on the road“. So trat er gerade erst am 29. Juli mit eben diesem Programm beim Burgherzberg-Festival auf; ab Mitte August ist er auf Nordamerikatournee und kommt vom 23. bis 30. September für sechs Konzerte auch wieder nach Deutschland, um anschließend in USA, Polen und England zu gastieren. Was belegen mag, dass Ian Anderson und seine Jethro Tull-Songs noch immer eine große Anhängerschaft haben, auch wenn die herausragenden Erfolge lange zurückliegen. Doch die eigentümliche Musikmischung von Ian Andersons Jethro Tull mit Elementen aus altenglischer und mittelalterlicher Musik, Folkrock, Jazz, Prog/Artrock, Elektronik und sogar fernöstlichen Anleihen bleibt nach wie vor außergewöhnlich und reizvoll.
Aus Hunderten von Songs ist die Handschrift von Ian Anderson immer herauszuhören. Keiner singt so aristokratisch wie er, ohne affektiert zu klingen. Keiner formt seine Melodien so verschnörkelt wie ein höfischer Minnesänger aus der elisabethanischen Zeit, gleichzeitig gebrochen vom Blues und liebäugelnd mit der Gefälligkeit des Pop. Und natürlich steht keiner außer ihm mit angewinkeltem Spielbein querflötespielend auf der Bühne. Bis heute ist er die Inkarnation des flötespielenden Rattenfängers der Rockmusik. Und als Texter wird Ian Anderson schon immer unterbewertet. Viele seiner Texte haben Charme und Witz und viel Fantasie. Und schließlich hat er ein paar geflügelte Worte dem Kanon der Rockmusik hinzugefügt, man denke nur an „Too Old To Rock’n’Roll, Too Young To Die“, oder „Thick As A Brick“ („Dumm wie Bohnenstroh“).
Der Kramladen feiert ein Original der Rockgeschichte – aus Anlass seines 70. Geburtstages am 10. August 2017. Das Thema wird fortgesetzt in Teil 2 am 24.08.17.

Playlist
Artist Track Album Label Zeitplan
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records 00:15
2. Jethro Tull Living In The Past The Very Best Of Chrysalis 02:25
3. Jethro Tull Dot.Com J-Tull Dot Com Roadrunner Records 08:37
4. Ian Anderson Doggerland Homo Erraticus EMI 15:20
5. Jethro Tull Quizz Kid Too Old To Rock’n’Roll 22:56
6. Jethro Tull Cheerio The Broadsword and the Beast Chrysalis 29:07
7. Jethro Tull Songs From The Wood Songs From The Wood Chrysalis 32:19
8. Ian Anderson Pigeon Flying Over Berlin Zoo Rupi’s Dance Randm records 38:56
9. Jethro Tull Stormy Monday Blues 20 Years Of Jethro Tull Chrysalis 43:54
10. Jethro Tull Life Is A Long Song The Very Best Of 50:19
11. Ian Anderson Budapest Ian Anderson plays the Orchestral Jethro Tull Zyx Music 55:48

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