Dancing With The Dead

Erstsendung 22.11.2012

Dancing with the Dead
Songs über den Tod erinnern ans Leben

Im traurigen Monat November, und speziell um den Totensonntag herum, wird es gerne angestimmt, das Lied vom Tod – traditionell mit Trauerflor und Grabesschwere. Doch es gibt Kulturen, da brummt keine depressive Begräbnismusik, wenn ein Mensch sein Erdenleben beendet hat, sondern: da wird im Gegenteil getanzt und ein fröhliches Fest zu Ehren des „Dahingegangenen“ gefeiert. In unseren Breiten sind Begräbnisse oft immer noch eine Mischung aus feierlichem Ernst und Tortur für die Angehörigen – zutiefst unerfreuliche, todtraurige Ereignisse, denen niemand gerne beiwohnt, oder die im anderen Extremfall zur bloßen Abwicklung von Formalitäten verkommen. Doch seit einigen Jahren hat sich die Bestattungskultur aber auch bei uns merklich verändert. In vielen Großstädten finden bereits zwei Drittel der Trauerfeiern ohne Pfarrer und sakrale Orgelmusik statt. Stattdessen hört man Rock und Pop aller Couleur, weil es der Verstorbene so haben wollte. Nicht selten hallt die ansonsten stille Trauerhalle von donnernden Metal-Gewittern wider, weil der aufgebahrte Verblichene im farbig bemalten Sarg dies mit seinem letzten Willen so verfügt hat.
Doch so sehr sich die Bestattungsriten auch hierzulande ändern, sind andere Kulturen in anderen Teilen des Globus sehr viel weiter, was das Feiern im Diesseits auf dem Weg ins Jenseits angeht. Oft haben sich in anderen Kulturen deren gänzlich diesseitigen Umgangsformen mit dem Thema Tod schon vor Generationen und aus alter Tradition herausgebildet.
Die Gospelchöre schwarzer Baptistenkirchen betrauern und bejubeln gleichermaßen ekstatisch den Eintritt des Heimgegangenen ins Reich des ewigen Lebens. Auf pakistanischen Totenfeiern vertreibt man Kummer und Trauer mit treibendem Klatschen und Singen aus den Herzen der Hinterbliebenen. In Mexiko versammeln sich alljährlich am „Tag der Toten“ Heerscharen von Musikanten auf den Friedhöfen, um die Lieblingslieder der Verstorbenen zu spielen. Bis tief in die Nacht wird gefeiert und getanzt. Zum Ahnenkult auf Madagaskar gehört es, dass die Familien die Gebeine ihrer Vorfahren alljährlich ausgraben, um mit ihren toten Angehörigen ein großes Fest zu feiern. In ländlichen Regionen Südamerikas, speziell in Bolivien und Peru, feiert man das Fest der Toten mit Musik und Tanz als das Fest des Lebens.
Auch Jimi Hendrix, dessen 70. Geburtstag am 27.11. zu begehen ist, hatte seinen Freunden aufgetragen, wenn er stürbe, solle man an seinem Grab eine Party feiern. Die traurigen und nicht-traurigen Lieder über den Tod im Kramladen verkünden: „Sterben gehört zum Leben!“ und: „Death Is Not The End“ (Nick Cave). Gus Black gibt in seinem neuen Album einen Ausblick: „Then In The Afterlife“. Und die korsischen Brüder Bernardini von I Muvrini stimmen in ihrem aktuellen Album „Imaginá“ den endgültigen Ewigkeits-Hymnus an: „Requiem Eterna“.

Playlist

Artist Track Album Label
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records
2. Fury In The Slaughterhouse Dead And Gone Chateau Fury SPV
3 Montage : Jacques Brel, Terry Jacks, Klaus Hoffmann Le Moribond, Seasons In The Sun, Adieu Emile diverse diverse
4. Jimi Hendrix The Wind Cries Mary Jimi Hendrix Polydor
5. Vincent Rocks Eleanor Rigby American Girl Bell Records
6. I Muvrini Pietá Imaginà Edel
7. Los Nani La Luz Redentora Dancing With The Dead Ellipsis arts
8. Los Camperos de Valles El Llorar Dancing With The Dead Ellipsis arts
9. Lydia Mendoza La Boda Negra Dead & Gone Songs of Death Trikont, Indigo
10. Randy Newman Harps And Angels Harps And Angels Nonesuch
11. Gus Black The Afterlife Split The Moon Live At Lido India Records
12. Nick Cave and the Bad Seeds Death Is Not The End Murder Ballads Mute Records
13. Beasts Of Bourbon Rest In Peace Dead & Gone Songs of Death Trikont, Indigo
14. TI feat. Justin Timberlake Dead And Gone (Instrumental) (Hintergrundmusik) download

 

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