Al Jarreau, Larry Coryell

In Memoriam Al Jarreau
Erstsendung: 23.02.2017
Nachruf zum Tod von Al Jarreau und Larry Coryell

In Memoriam Al Jarreau und Larry Coryell

Die traurige Serie von Todesfällen in der Popularmusik reißt nicht ab. Nun sind auch die renommierten Jazzmusiker Al Jarreau und Larry Coryell gestorben.
Nur vier Tage nachdem der virtuose Jazzsänger Al Jarreau ankündigen musste, dass er auf ärztlichen Rat hin alle für 2017 geplanten Konzerte absagen müsse, starb er im Alter von 76 Jahren am 12. Februar. Der Schwerpunkt dieser In Memoriam-Sendung gehört dem Stimmwunder Al Jarreau, der wegen eines Schwächeanfalls und Atemnot, wie es hieß, Ende Januar ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Am 8. Februar ließ er vom Krankenbett aus verlauten, es gehe ihm zwar besser, er müsse aber schweren Herzens vom Tourleben Abschied nehmen. Die gesundheitliche Besserung war indes nur von sehr kurzer Dauer. Nun müssen alle seine Anhänger von ihm, dieser großen Sängerpersönlichkeit, endgültig Abschied nehmen.
Al Jarreau konnte schöpferisch improvisieren wie kaum ein zweiter, verfügte über stimmliche Fähigkeiten wie nur wenige andere Sänger und hatte die Gabe, den Klang von Instrumenten mit seiner Stimme zu imitieren. Zu recht feierte man ihn, den charismatischen Gesangsvirtuosen, als „einzigen Vokalisten mit einem ganzen Orchester in der Kehle“.
Der in Milwaukee, Wisconsin am 12. März 1940 geborene Al Jarreau, der eigentlich Alwyn Lopez Jarreau hieß, war das fünfte von sechs Kindern. Sein Vater war Prediger, musste aber während der Kriegsjahre in einer Munitionsfabrik schuften, währenddessen vertrat die Mutter den hart arbeitenden Vater in der Kirche und spielte die Orgel. Die Familie Jarreau war arm und hatte kein leichtes Leben in der öden Stadt Milwaukee im Mittelwesten der USA, wo die afroamerikanische Bevölkerung unter sozialen Problemen und Diskriminierungen noch mehr zu leiden hatte als in anderen Städten des Mittleren Westens. Doch die gesamte Familie, Eltern und Geschwister, war hoch musikalisch, schon in seiner Kindheit erlernte Al im gemeinsamen Singen mit seinen Geschwistern das Improvisieren. Als junger Mann begann er in Bars aufzutreten und verdiente sich so ein wenig Geld für sein Studium der Psychologie und Sozialpädagogik. Anschließend zog er nach San Francisco und arbeitete dort tagsüber als Rehabilitationshelfer für geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene und arbeitete als Sozialhelfer mit Drogenabhängigen, und abends widmete er sich seiner Musik und seiner Entwicklung als Jazz-Sänger. 1969 entschloss er sich dann professionell Musik zu machen, konnte aber erst 1975 als damals schon 35-jähriger ein eigenes Album aufnehmen. In seiner Heimat USA kaum beachtet, wurde sein Debütalbum in der Bundesrepublik mit dem Schallplattenpreis der Deutschen Phonoakademie ausgezeichnet.
Kein anderer Musiker hat es – bis heute jedenfalls – fertig gebracht in den drei so unterschiedlichen Genres Jazz, Rhythm’n’Blues und Pop einen Grammy, die höchste Auszeichnung der US-amerikanischen Musikwelt zu erhalten. Insgesamt wurde er 7 mal mit einem Grammy ausgezeichnet. In seinem Nachruf schrieb der Zeit-Autor Stefan Hentz: „In seinem Gesang fließen die verschiedenen Seitenarme eines Stroms wieder zusammen, der sich irgendwann aufgeteilt hatte, als der Jazz erwachsen wurde und Kunstwillen zeigte, die schwarze Popmusik lieber Glitzeranzug trug und der kleine Bruder Rock’n’Roll das Pubertäre für sich beanspruchte.“ In Al Jarreaus Stimme hört der Autor: „Betörende Virtuosität und menschliche Wärme, mitreißenden Groove und subtil phrasierte Melodie, die Experimentierfreude des Jazz, den Schmelz des Rhythm’n’Blues und die Menschennähe des Pop“.
Genau eine Woche nach Al Jarreau starb ein weiterer renommierter Jazzmusiker. Der Jazzrock-Gitarrist Larry Coryell hatte eine ganze Zeit lang mit Drogenproblemen zu kämpfen. Ob sein relativ früher Tod im Alter von nur 73 Jahren mit seiner früheren Drogenproblematik zu tun hat, ist eine spekulative Frage. Jedenfalls ist der Fusion-Pionier Larry Coryell, der gerade auf Tournee war, am Sonntag dem 19. Februar 2017 in einem New Yorker Hotel an Herzversagen gestorben.
Gemeinsam mit John McLauglin und Paco deLucia bildete Larry Coryell Ende der 70er Jahre das berühmte Guitar Trio mit deren legendärer Produktion „Meeting Of Spirits“. Doch wegen seiner Drogenprobleme musste Larry Coryell ausscheiden und wurde durch Al DiMeola ersetzt. Schon 1968 war er durch die Jazzrock-Schule von Miles Davis gegangen, und 1973 gründete der 1943 in Texas geborene, in New York lebende Gitarrist seine eigene Fusion-Gruppe The Eleventh House, mit der Larry Coryell auch in Europa bekannt wurde. Seine handwerkliche Klasse als profunder, stilprägender Gitarrist und fähiger Komponist ist unbestritten. Ein US-amerikanischer Kritiker nannte ihn sogar: „Godfather of Fusion“.

Playlist

Artist Track Album Label Zeitplan
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records 01:11
2. Al Jarreau All I Got All I Got GP, Universal 02:52
3. Al Jarreau (Round Round Round) Blue Rondo á la Turk Breakin Away Warner Bos 09:53
4. Al Jarreau You Don’t See Me We Got By Reprise 17:32
5. Al Jarreau & Marcus Miller You Don’t See Me Tenderness Studio Session WEA 22:21
6. Al Jarreau Raging Waters Al Jarreau in London Polygram 26:06
7. USA For Africa We Are The World We Are The World CBS 32:17
8. George Benson & Al Jarreau feat. Paul McCartney Bring It On Home To Me Givin’ It Up Concord Records, Universal 36:26
9. Al Jarreau Groovin’ High Accentuate The Positive Verve 42:55
10. Al Jarreau Fire And Rain Glow Warner 51:39
11. Larry Coryell Purple Haze Gipsy Blood A Tribute To Jimi Hendrix Horizons 57:24

 

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