Achtsamkeit

Erstausstrahlung am 31.01.2013

Artist Track Album Label
1. L. Shankar Darlene (Kramladen-Themamusik) Touch Me There Zappa Records
2. Sebastian Sternal Fly Sternal Symphonic Society Traumton Records, Indigo
3. Motorpsycho & Stale Storlokken The Hollow Lands The Death Defying Unicorn Stickman, Indigo
4. Eels On The Ropes Wonderful, Glorious (VÖ: 15.02.13) E Works, Cooperative
5. Tonefabric Patanjali Tonefabric (VÖ: 22.02.13) Samarmusic, Prudence, Rough Trade
6. The Fretless Harder To Walk These Days Than Run Waterbound Magnetic Music
7. EVO Tant M’Abelis L’Amorós Pessamens EVA (VÖ: 15.02.13) Songsurfer, Cargo Records
8. Weird Al Yankovic Fat (Akzent) Even Worse Scotti Bros, Intercord
9. Weird Al Yankovic Eat It Weird Al Yankovic in 3D Bellaphon
10. Luther Allison You Can’t Always Get What You Want Paint It Blue – The Songs of the Rolling Stones Ruf Records
11. David & Steve Gordon Soothing Sanctuary, Part 1 Soothing Sanctuary Prudence, BSC, Rough Trade
12. David & Steve Gordon Soothing Sanctuary, Part 2 (Hintergrundmusik) Soothing Sanctuary Prudence, BSC, Rough Trade

Achtsamkeit

… ein neues Modewort? Eine neue Technik der Lebenshilfe-Experten? Ein Weg, sein Leben zu verändern? Mach mal halblang. Erst mal klären, was das ist. Was bedeutet „Achtsamkeit“?
Nach dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn, der schon Ende der siebziger Jahre damit begann, achtsamkeitsbasierte Übungen im klinischen Bereich einzusetzen, ist Achtsamkeit eine besondere Form der Aufmerksamkeit, die „absichtsvoll ist, sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht (statt auf Vergangenheit oder Zukunft) und nicht wertend ist“. Die aus der buddhistischen Tradition herrührende Achtsamkeit ist nicht identisch mit Konzentration. Achtsamkeit ist ein „Zustand hellwacher Geistesgegenwärtigkeit oder Präsenz, in dem ‚der Geist weit ist wie das Firmament’, extrem klar, lebendig und transparent.“
Der US-amerikanische Wissenschaftler Kabat-Zinn hat in seinem Buch ‚Im Alltag Ruhe finden’ folgende Beschreibung von Achtsamkeit (im Gegensatz zur Konzentration) gegeben: „…so intensiv und befriedigend es auch sein mag, sich in der Konzentration zu üben, bleibt das Ergebnis doch unvollständig, wenn sie nicht durch die Übung der Achtsamkeit ergänzt und vertieft wird. Für sich allein ähnelt sie (die Konzentration) einem Sich-Zurückziehen aus der Welt. Ihre charakteristische Energie ist eher verschlossen als offen, eher versunken als zugänglich, eher tranceartig als hellwach. Was diesem Zustand fehlt, ist die Energie der Neugier, des Wissensdrangs, der Offenheit, der Aufgeschlossenheit, des Engagements für das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrung. Dies ist die Domäne der Achtsamkeitspraxis.“
„Wer achtsam ist, ist genau da, wo er gerade ist und tut genau das, was er gerade tut“, sagt der Buchautor Ronald Pierre Schweppe im Kramladen-Interview.
Die Wahrnehmung der Achtsamkeit wird in der Medizin und Psychotherapie angewandt, aber auch beim Abnehmen, bei Stressreduzierung, bei der Prävention verschiedenartiger psychischer und körperlicher Störungen bzw. Probleme, hilft aber auch bei der Intensivierung des Wohlbefindens. Hilft Achtsamkeit auch beim Musikhören?
Die Musikverschmutzung des Alltags, die akustische Belästigung durch das permanente Berieseln mit Musik wird von vielen Menschen, die Musik eigentlich lieben, zunehmend als Ärgernis betrachtet. Nichts gegen Klangdesign und funktionelle Musik; sie haben ihre Aufgabe und Berechtigung dort, wo sie hingehören. Aber wenn im Kaufhaus oder Supermarkt hörenswerte Popsongs zur Steigerung der Wohlfühl-Atmosphäre missbraucht werden, oder wenn im Hitradio das Songprogramm nur als Begleitmedium verstanden und als musikalisches Hintergrundrauschen eingesetzt wird, dann verliert der zur Klangtapete degradierte Song sein Eigenleben, seine Botschaft und Bedeutung – und der Zuhörer verliert den eigentlichen Bezug zur Musik und seine Freude am beteiligten Zuhören. Übersättigung und Dauerberieselung führt beim Hörer irgendwann zur Abstumpfung, eventuell gar zur Ablehnung von Musik – und führt bei der Musikwahrnehmung des Klangkonsumenten zu einer Reduzierung der Aufnahmebereitschaft. Gewinnt die Musik und das Zuhören durch Achtsamkeit die ursprüngliche Bedeutung wieder zurück?
„Bei der Entwicklung der Achtsamkeit spielt die Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick eine große Rolle. Wenn wir lernen, uns beim Musikhören wieder auf das Jetzt auszurichten, wird Musikhören zu einer Chance, die Wahrnehmungsfähigkeit zu steigern. Es besteht die Möglichkeit, das Musikhören als Ruhepause zu nutzen, sodass die vielen Ablenkungen des Alltags ihre Macht über uns verlieren. Für die Praxis heißt das, dass wir uns vor typischen Ablenkungen in Acht nehmen sollten. Statt während des Musikhörens zu Essen, Zeitung zu lesen, Auto zu fahren oder mit Partygästen zu diskutieren, sollten wir die Aufmerksamkeit ganz auf uns selbst und unser Musikhören lenken – sicher nicht immer, aber immer wieder einmal. Nehmen Sie sich einmal täglich ein Musikstück vor, das sie mögen und das Sie dazu nutzen, um zu sich zu kommen, sich zu sammeln und dem medialen Dauerbombardement einen Riegel vorzuschieben. Während des Hörens dieses einen Musikstücks gilt: nicht herumlaufen, sondern hinsetzen. Nicht stummgeschaltet fernsehen, oder Videoclips anschauen, weder im Internet surfen, noch Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher lesen und auch nicht telefonieren oder mit jemandem reden.“
Dieses Zitat habe ich mit geringfügigen Ergänzungen, dem soeben veröffentlichten Buch „Achtsam Abnehmen“ von Ronald Pierre Schweppe entnommen, wobei ich das Wort „Essen“, bzw. „eine Mahlzeit“ ersetzt habe durch „Musikhören“ bzw. „ein Musikstück“. Und verblüffend ist die Feststellung, dass Achtsamkeit sowohl bei der Veränderung von Essgewohnheiten, mit dem Ziel abzunehmen, genauso hilfreich sein kann, wie bei der Wiedergewinnung, bzw. Intensivierung des Zugangs zur Musik und darüber auch zu sich selbst.
Ein Zuviel an Kalorien durch unbewusstes Futtern, macht dick und unzufrieden, ein Zuviel an Musikberieselung durch diverse Schallquellen im Alltag macht stumpf und überdrüssig an Musik.
Am Jahresanfang ist das Abnehmen immer ein großes Thema und diverse Diäten haben Hochkonjunktur – obwohl wissenschaftliche Untersuchungen belegt haben, dass keine Diät tatsächlich funktioniert, jedenfalls nicht auf Dauer. Doch „Achtsamkeit“ scheint wirklich hilfreich zu sein und kann sogar, im besten Fall, das Leben nachhaltig verändern – und nicht zuletzt auch das Musikhören und den Genuss an der Musik.
Einen guten Einstieg in das Thema „Achtsamkeit“ vermittelt das nachstehend genannte empfehlenswerte Buch. Die Tipps für eine neue Einstellung zu Essen und Körpergewicht lesen sich sehr überzeugend und erfolgversprechend.
Zitat aus dem Klappentext:
Entdecken Sie das Geheimnis innerer und äußerer Leichtigkeit
Nicht die Kalorien sind schuld, wenn Menschen zu viel wiegen, sondern die Geisteshaltung. Wer unachtsam und wie ferngesteuert isst, isst automatisch zu viel, zu schnell und zu oft zwischendurch. Man sollte aufhören, gegen sich selbst zu kämpfen und der Weisheit des Körpers vertrauen, die Fernsteuerung ausschalten und aufwachen, indem Achtsamkeit beim Essen entwickelt wird.
33 kleine Übungen helfen, tagtäglich Achtsamkeit zu entwickeln. Noch heute kann begonnen werden – beispielsweise indem man
• sich mit den emotionalen Problemzonen vertraut macht,
• die Stopp-Technik anwendet,
• lernt, wie achtsames Essen im Hier und Jetzt funktioniert,
• die Schokoladen-Meditation macht.
Um sich von belastenden Ernährungsmustern zu befreien, braucht man keine Brechstange. Meist genügen kleine, sanfte Impulse. Die 33 Übungen im Buch laden dazu ein, die Ernährungs- und Lebensweise dauerhaft zu verändern.

Ronald Pierre Schweppe
Achtsam abnehmen
33 Methoden für jeden Tag
ISBN 978-3-942772-30-3
12,99 EUR (D)

 

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