Ludo A. Kaiser – „Hausner verbeugt sich vor dem Tag“

Ludos Lesung und Vorstellung seines neuen Buchs
Fr 02.10.2026, 19 Uhr, Rebell(i)sche Studiobühne, Biebererstr. 145A, Hinterhaus, 63071 Offenbach:
Ludo A. Kaiser
Buchvorstellung mit Musik: „Hausner verbeugt sich vor dem Tag“
Gedichte, Geschichten, Gebabbel (Bekanntes und viel Neues!)
Rezitation: Ludo A. Kaiser, Jörg Zick
Musik: Willy Spahn (Saxophon, Querflöte, Klarinette)
Eintritt € 15,- [Eventim-Ticketgebühr € 1,50] (Ticket kaufen: siehe unten, roter Button)
Oder: Ticket/Sitzplatz verbindlich reservieren und an der Abendkasse zahlen, Infos s.u.


Wackernagel (von Ludo A. Kaiser)
Er schrieb Gedichte, die niemand lesen wollte, er schrieb Geschichten, die niemand veröffentlichen wollte und es interessierte kein Schwein, dass er den Reifegrad eines Camemberts bestimmen und das Schwarze unter den Fingernägeln philosophisch deuten konnte. Wenn er in Stimmung war, konnte er fünf Minuten den Atem anhalten und diverse Deo-Roller am Geschmack erkennen. Immer wieder verblüffend und sehr zur Erheiterung seiner Freunde Gräfner und Birkenwald, die vierteljährlich bei ihm aufkreuzten, um sofort das Klagelied älterer Männer anzustimmen: Krankheiten, Inkontinenz, wertlose Aktien. Neidhard J. Wackernagel hörte sich das sehr geduldig an. Seit Jahren. Und dann legte er los und schwelgte in seinen Erinnerungen. Wie er vor Jahren als junger Mann mit einigen Kumpels ein Klavier auf den Ben Navis transportierte. Bei Schneeregen, halb erfroren, doch glücklich. Wie er mutig und stark mit einem riesigen Wels kämpfte, den er im Würgegriff aus dem Anglerteich zog und dafür von seinen Anglerfreunden gefeiert wurde. Wie er vor Jahren bei einer Schriftsteller-Lesung in Hamburg John Irving traf, der ihm – von Kollege zu Kollege – den Ratschlag gab: „Bleib weg von offenen Fenstern!“. Wie er als Student und Reisender in Indien einem Tiger, der ein Dorf bedrohte, gegenüberstand und durch Hypnose erreichte, dass dieser in einen tiefen Schlaf fiel und gefesselt werden konnte. Und wie er dann aus Dankbarkeit auf Händen und Schultern von den Dorfbewohnern zur nächsten Bahnstation getragen wurde. Gräfner und Birkenwald kannten diese Stories, die durch vierteljährliches Wiederholen nicht besser, glaubhafter oder wahrer wurden, erhoben jedoch ihr Glas Wein und prosteten Wackernagel zu. Dann regelten sie an den Hörgeräten wieder die Lautstärke hoch.
„Eine Geschichte könnte ich noch zum Besten geben! Eine unglaubliche Geschichte!“ „Die vom Trampolin?“, fragte Gräfner. „Oder die vom Dromedar-Ritt durch Marokko?“, fragte Birkenwald. „Nein, nein“, entgegnete Wackernagel. „Eine neue Geschichte, wunderbar! Spielt in Offenbach. Erzähle ich gleich.“ Gräfner und Birkenwald sangen beschwingt vor sich hin: „OFC, nur der OFC…“ Neidhard J. summte leise mit, stellte sein Weinglas auf den Tisch, erhob sich mühsam und WACKERNAGEL VERBEUGTE SICH VOR DEM TAG.
(Februar 2026)

